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Vernissage: „Blinde Flecken – Tatorte des Nationalsozialismus in der Mainzer Stadtgesellschaft“

19 März, 18:30 - 20:00

Am 27.01.1945 befreiten Truppen der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Dieser Ort steht wie kein anderer für das nicht vorstellbare Grauen des industriellen Massenmordes an sechs Millionen Juden durch den Nationalsozialismus. Die Zeitzeugen und Überlebenden der Shoa verstummen allmählich. Ihr Erbe aber muss

fortwährende Verpflichtung bleiben – nicht nur durch steinerne Tafeln und bei institutionalisierten Gedenkfeiern.

Im Sommersemester 2020 forschten an der Hochschule Mainz 27 studentische Arbeiten (Bachelor Innenarchitektur) unter szenografisch-performativen und architektonisch-räumlichen Aspekten an Tatorten des Nationalsozialismus in Mainz.

Die jüngsten politischen Ereignisse haben uns allen bewusst gemacht, wie wichtig der alltägliche Einsatz für unsere demokratischen Werte und Errungenschaften ist. Die beteiligten Studierenden gehören alle einer Generation an, die Erinnerungen an den Nationalsozialismus bei ihren noch lebenden Verwandten erforschen muss und damit selektive Wahrnehmungen aktiv aufbrechen kann.

Die Konnotation von prominenten Mainzer Gebäuden und Plätzen als Sitz von NS-Institutionen, als Gefängnisse oder Deportationsorte, wie z. B. dem Osteiner Hof am Schillerplatz, dem Dalberger Hof in der Klarastraße oder dem Goetheplatz in der Neustadt als Tatorte offen begangener nationalsozialistischer Verbrechen, ist meistens vor Ort nicht ablesbar, erst recht nicht emotional erfahrbar. Die schon einmal in unserer Gesellschaft zynisch kalkulierte Zerstörung der demokratischen Strukturen und die weitestgehende Durchdringung und Akzeptanz des Faschismus im Alltag gerät so zum (räumlich wie zeitlich) abgeschlossenen und wegrenovierten historischen Ereignis.

Der Brückenschlag mit Hilfe der Tatorte in der Mitte unseres Alltags aus der Geschichte der in diesem Land begangenen Verbrechen im 20. Jahrhundert zu den weltweit sichtbaren aktuellen rechtspopulistischen und faschistischen Demokratie und Freiheit bedrohenden Tendenzen in unserer Gesellschaft wird so aus Gedankenlosigkeit oder zum Teil aktiv verhindert.

Die Auswirkungen dieser „Blinden Flecken“ auf unsere Gegenwart sind bereits seit einiger Zeit in unserer Gesellschaft spürbar, auch durch die immer weiter verbreitete rechtspopulistische, geschichtsrevisionistische und marginalisierende Haltung gegenüber der Barbarei des Nationalsozialismus.

Unterstützt wurden die Projekte durch die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz LpB, das Haus des Erinnerns in Mainz und weitere Mainzer Institutionen und Bürgerinnen und Bürger.

Vom 02.März 2021 bis zum 27.März 2021 werden im LUX die besten Arbeiten öffentlich präsentiert. Die prämierten Arbeiten sind zudem in der Glasfront des Hauses des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz zu sehen. 

 

Virtuelle Vernissage
Eine Vernissage findet virtuell am 19. März 2021 um 18:30 Uhr statt.
Über folgenden Link können Sie an der virtuellen Vernissage teilnehmen: https://youtu.be/4BzVZ1n3k2A 

Details

Datum:
19 März
Zeit:
18:30 - 20:00