Die Weiße Rose

studentische Widerstandsgruppe in München, deren Mitglieder 1943 hingerichtet wurden; darunter Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst (v.l.n.r. auf dem Foto)

Foto: Archiv für Kulturgeschichte – Images


In den Jahren 1942 und 1943 verbreitete die Münchner Gruppe „Weiße Rose“ sechs unterschiedliche Flugblätter gegen das NS-Regime. Den inneren Kern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ bildeten fünf Student*innen sowie ein Professor:

  • Sophie Scholl: 9. Mai 1921–22. Februar 1943
  • Hans Scholl: 22. September 1918–22. Februar 1943
  • Alexander Schmorell: 16. September 1917–13. Juli 1943
  • Christoph Probst: 6. November 1919–22. Februar 1943
  • Willi Graf: 2. Januar 1918–12. Oktober 1943
  • Kurt Huber: 24. Oktober 1893–13. Juli 1943

Die ersten vier Flugblätter verteilten sie im Jahr 1942 mit einer Auflage von etwa 100 Exemplaren. Sie gelangten vor allem an einen kleinen und bekannten Kreis von Adressat*innen in München und der näheren Umgebung. Diese ersten Flugblätter wurden von Hans Scholl und Alexander Schmorell verfasst; ab wann genau Sophie Scholl Mitglied der Gruppe wurde, ist leider nicht bekannt. In diesen Flugblättern wandte sich die Widerstandsgruppe vor allem an das gebildete, akademische Bürgertum, das man mithilfe zahlreicher Zitate aus der klassischen Literatur zum passiven Widerstand bewegen wollte.

Im Januar 1943 entstand das fünfte Flugblatt, das dann mit einer Auflage von 6.000 bis 9.000 Exemplaren verteilt wurde, nicht mehr nur in München, sondern auch in weiteren süddeutschen Städten sowie in Österreich. Der Inhalt dieses Flugblattes unterscheidet sich von dem der ersten. So verwies die Gruppe im Jahr 1943 auf die aussichtslose Kriegsführung des Deutschen Reichs, und dies in politisch präziser Sprache. Ebenso wandte man sich vom Gedanken des passiven Widerstands ab und rief vielmehr zum aktiven Widerstand gegen das NS-Regime auf. Zudem beschränkte sich die „Weiße Rose“ nicht mehr nur auf das gebildete Bürgertum, sondern wollte nun die ‚breite Masse‘ mobilisieren, was auch der Titel des Flugblatts „Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland. Aufruf an alle Deutsche!“ zeigt.

Ab Februar 1943 unternahmen die Mitglieder der Widerstandsgruppe dazu noch nächtliche Aktionen, bei denen sie Gebäude mit Parolen wie „Nieder mit Hitler!“ und „Freiheit!“ beschrifteten. In diesem Monat entstand auch das sechste und letzte Flugblatt der „Weißen Rose“. In diesem Flugblatt wandte sich die Gruppe vorrangig an die Studierendenschaft, die man mit Blick auf die Schlacht um Stalingrad zur Abkehr und zur Befreiung vom nationalsozialistischen Regime aufforderte. Am 18. Februar 1943 verteilten die Geschwister Scholl in der Münchner Universität dieses Flugblatt. Als sie einen Teil der Flugblätter in den Lichthof der Universität warfen, wurden sie vom Hausmeister Schmid beobachtet und festgehalten, bis sie letztlich durch die Geheime Staatspolizei verhaftet wurden.

Nur vier Tage später wurden Hans und Sophie Scholl gemeinsam mit Christoph Probst vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. In einem weiteren Prozess wurden Willi Graf, Alexander Schmorell und Kurt Huber am 19. April 1943 ebenfalls zum Tode verurteilt. Schmorell und Huber wurden am 13. Juli 1943, Graf am 12. Oktober dieses Jahres hingerichtet.
Bis Mitte Oktober 1944 fanden noch weitere Prozesse gegen Unterstützer*innen der Widerstandsgruppe statt, bei denen Freiheitsstrafen mit bis zu zwölf Jahren ausgesprochen wurden.

Heute erinnern vor dem Eingang zur Münchner Universität in den Boden eingelassene steinerne Flugblätter an den Widerstand der Gruppe „Weiße Rose“. Zudem wurden die Plätze vor dem Universitätsgebäude nach den Geschwistern Scholl und dem Professoren Huber benannt. Innerhalb der Universität erinnern eine steinerne weiße Rose sowie ein Relief mit dem Bild der Mitglieder der Weißen Rose sowie deren eingemeißelten Namen an die Widerstandsgruppe. Seit 1997 befindet sich im Lichthof der Universität zudem eine vom Verein „Weiße Rose Stiftung e. V.“ errichtete „DenkStätte Weiße Rose“, in der in einer Dauerausstellung die Geschichte der Widerstandsgruppe präsentiert wird.

Doch auch in vielen weiteren Städten wird unter anderem durch Namensgebungen von Schulen, Plätzen oder Straßen der Widerstandsgruppe und ganz besonders den Geschwistern Scholl gedacht. So gibt es auch in Mainz eine Geschwister-Scholl-Straße sowie die Berufsbildende Schule, die den Namen Sophie Scholls trägt.


Literaturhinweise:

Benz, Wolfgang: Die Weiße Rose. 100 Seiten, Ditzingen 2017.

Moll, Christiane: Die Weiße Rose, in: Steinbach, Peter/ Tuchel, Johannes (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S. 443–467.

Schulz, Kirsten: Studentischer Widerstand: „Die Weiße Rose“, in: Dossier. Sophie Scholl und die „Weiße Rose“, URL: <https://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/weisse-rose/60945/studentischer-widerstand> [aufgerufen am 06.05.2021].

Struck, Bernhard: Die „Weiße Rose“, in: LeMo-Biografien, Lebendiges Museum Online, URL: <https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/widerstand-im-zweiten-weltkrieg/die-weisse-rose.html> [aufgerufen am 06.05.2021].

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