{"id":854,"date":"2019-07-04T18:45:47","date_gmt":"2019-07-04T16:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/v2.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?p=854"},"modified":"2019-09-21T11:13:52","modified_gmt":"2019-09-21T09:13:52","slug":"buchvorstellung-nur-eine-ganz-kleine-clique-die-ns-ermittlungen-ueber-das-netzwerk-vom-20-juli-1944-am-27-juni-2019-in-mainz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/2019\/07\/04\/buchvorstellung-nur-eine-ganz-kleine-clique-die-ns-ermittlungen-ueber-das-netzwerk-vom-20-juli-1944-am-27-juni-2019-in-mainz\/","title":{"rendered":"Buchvorstellung \u201eNur eine \u00bbganz kleine Clique\u00ab? Die NS-Ermittlungen \u00fcber das Netzwerk vom 20. Juli 1944\u201c am 27. Juni 2019 in Mainz"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Singleview: Haus des Erinnerns (Nachberichte)<\/h3>\n\n\n\n<p>Von Angelika Arenz-Morch <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"239\" height=\"180\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/csm_Dr._Keyerlinl-Rehbein_86f6ec55c5.jpg\" alt=\" Foto: Dr. Keyserlingk-Rehbein \" class=\"wp-image-856\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/csm_Dr._Keyerlinl-Rehbein_86f6ec55c5.jpg 239w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/csm_Dr._Keyerlinl-Rehbein_86f6ec55c5-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><figcaption>  Foto: Dr. Keyserlingk-Rehbein  <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> Angelika Arenz-Morch, stellvertretende Leiterin des Gedenkreferates der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung und stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz stellt bei der Begr\u00fc\u00dfung auch die Ziele der Stiftung vor. Das \u201eHaus des Erinnerns sei ein ganz besonderer Ort, der als Gedenkort, zur\u00fcckschaue in die Vergangenheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ist es ein Ort der Begegnung, der in die Zukunft blicke und das Wissen um die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und die Erinnerung an die Opfer mit dem Streiten f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz verbinde. \u201eDamit gibt es\u201c, so Frau Arenz-Morch, \u201ef\u00fcr die heutige Vortragsveranstaltung, zu der die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, die Stiftung Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz, der F\u00f6rderverein Projekt Osthofen und der Verein f\u00fcr Sozialgeschichte Mainz eingeladen haben, kaum einen geeigneteren Ort, um sich mit einem der Schl\u00fcsselereignisse der deutschen Geschichte des 20.Jahrhunderts, mit dem Attentat und dem Umsturzversuch des \u201e20. Juli 1944\u201c auseinanderzusetzen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Der Wiesbadener Widerstandsforscher Dr. Axel Ulrich f\u00fchrt fulminant und kenntnisreich in das Thema des Abends ein. Schon zu Beginn macht er keinen Hehl aus seiner Bewunderung f\u00fcr die Arbeit von Linda von Keyserlingk-Rehbein. Ihr nun vorliegendes Buch sei das Beste, was er zu diesem Thema bislang gelesen habe. Sie belege anschaulich die Kernthese, wonach es sich bei den Attent\u00e4tern keineswegs nur um eine kleine Gruppe gehandelt habe, sondern um ein breites Netzwerk aus allen Kreisen der Bev\u00f6lkerung. Ausgehend von der verschl\u00fcsselten Korrespondenz Hermann Kaisers vom Stab des Chefs der Heeresr\u00fcstung und Befehlshabers des Ersatzheeres, breitet Herr Ulrich detailliert die Strukturen des ma\u00dfgeblich vom vormaligen hessischen Innenminister und Gewerkschaftsf\u00fchrer Wilhelm Leuschner gekn\u00fcpften zivilen Vertrauensleutenetzwerks aus. Gleichzeitig veranschaulicht er das hohe Ma\u00df an Konspiration und Geschicklichkeit, das den Akteuren abverlangt wurde, um Kontakte mit Gleichgesinnten aufzunehmen und Informationen auszutauschen. Nur so sei es m\u00f6glich gewesen, jahrelang so viele unterschiedliche Personen in das Netzwerk einzubinden, ohne dass die Umsturzpl\u00e4ne im Vorfeld aufgedeckt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit leitete er unmittelbar \u00fcber zum Vortrag von Frau Keyserlingk-Rehbein, die in der vorgelegten Analyse zum \u201e20. Juli\u201c anhand zahlreicher Netzwerkvisualisierungen aufzeigt, was die NS-Ermittler tats\u00e4chlich \u00fcber das gro\u00dfe und komplexe zivile und milit\u00e4rische Netzwerk vom \u201e20. Juli 1944\u201c wussten. Sie beklagt, dass der Widerstand des 20. Juli bis heute als Tat einzelner meist konservativer adliger Milit\u00e4rangeh\u00f6riger dargestellt werde, mit einem Hauptakteur, n\u00e4mlich Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Hier wirke die von Adolf Hitler verbreitete M\u00e4r von einer \u201eganz kleinen Clique\u201c bis heute nach. Trotz der umfangreichen Forschungsliteratur g\u00e4be es noch immer Forschungsdesiderate hinsichtlich einzelner Biographien, insbesondere fehle es aber an Forschungen, die sich mit der Struktur dieses Widerstands befassen. Obwohl in der vorliegenden Literatur immer wieder vom \u201eNetzwerk\u201c oder von einem \u201eNetz\u201c gesprochen wird, wurde bislang der Begriff weder hinreichend differenziert noch das Netzwerk des 20. Juli eingehend analysiert. Das genau sei ihr Ansatz, wobei ihr im Verlauf ihrer zehnj\u00e4hrigen Forschung zu diesem Thema klar geworden sei, dass die Aufdeckung des gesamten Netzwerkes nicht von einer Person geleistet werden k\u00f6nne und viele Akteurinnen und Akteure sicher nicht mehr ermittelt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits die Auswertung der Ermittlungsberichte, der Vernehmungsniederschriften, der Prozessunterlagen und der Personalakten ergaben, dass insgesamt 132 Personen von den Ermittlern als Beteiligte des Umsturzversuches angesehen wurden. Exemplarisch bezog von Keyserlingk noch Aufzeichnungen von Ulrich von Hassell, Helmuth von Moltke und Hermann Kaiser in die Analyse ein. Daraus ergaben sich viele weitere Kontakte zu Personen, die nicht ins Visier der NS-Verfolger geraten waren. Die angewandte Methodik der Netzwerkanalyse, die aus den eingegebenen Daten ein visualisiertes Netzwerk generiert und dabei die Personen entsprechend der Intensit\u00e4t und der Vielfalt der Kontakte anordnet, zeigt eine von der herk\u00f6mmlichen Darstellung des 20. Juli abweichende Bedeutung einzelner Akteure f\u00fcr den Umsturzversuch. Fazit des Abends war die allgemeine Erkenntnis, dass mit der nun vorliegenden Studie neue Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die historische Forschung zum 20. Juli gesetzt, zugleich aber auch der noch zu leistende Forschungsbedarf deutlich wurden. Die Arbeit von Frau Keyserlingk-Rehbein enth\u00e4lt daf\u00fcr etliche Hinweise, insbesondere zu den zivilen Strukturen des 20. Juli. Das Buch und die Vortragsveranstaltung sollen ausdr\u00fccklich zu weiteren regionalen Studien anregen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Veranstaltung der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, des F\u00f6rderverein Projekt Osthofen und der Stiftung Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Linda von Keyserlingk-Rehbein: Nur eine \u00bbganz kleine Clique\u00ab? Die NS-Ermittlungen \u00fcber das Netzwerk vom 20. Juli 1944. Schriftenreihe der Gedenkst\u00e4tte Deutscher Widerstand. 707 Seiten, 90 Abb., 158&#215;235 mm, teils farbige Abbildungen. November 2018. ISBN 978-3-86732-303-1<br>Preis Buch 34,90 \u20ac \/ eBook 28,\u2013 \u20ac<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Singleview: Haus des Erinnerns (Nachberichte) Von Angelika Arenz-Morch Angelika Arenz-Morch, stellvertretende Leiterin des Gedenkreferates der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung und stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz stellt bei der Begr\u00fc\u00dfung auch die Ziele der Stiftung vor. 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