{"id":7234,"date":"2024-07-16T12:07:48","date_gmt":"2024-07-16T10:07:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?p=7234"},"modified":"2024-07-16T12:07:50","modified_gmt":"2024-07-16T10:07:50","slug":"nachbericht-hier-bin-ich-wir-sind-hier-unsere-wegbeschreibungen-ein-diskussionsabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/2024\/07\/16\/nachbericht-hier-bin-ich-wir-sind-hier-unsere-wegbeschreibungen-ein-diskussionsabend\/","title":{"rendered":"Nachbericht: Hier bin ich \u2013 Wir sind hier. Unsere Wegbeschreibungen | Ein Diskussionsabend"},"content":{"rendered":"\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel \u201eHier bin ich \u2013 Wir sind hier. Unsere Wegbeschreibungen\u201c hatten wir gemeinsam mit der Landeshauptstadt Mainz und der Stiftung Juvente Mainz zu einem Diskussionsabend in unser Haus eingeladen. Gefl\u00fcchtete Menschen unterschiedlicher Herkunft schilderten an diesem Abend ihre Geschichten und kamen dabei, unter der Moderation von Fatma Polat, der Gr\u00fcnderin und Vorsitzenden des Vereins Arc-En-Ciel, besonders \u00fcber Herausforderungen und gelungene Hilfen auf ihrem Weg bis nach Mainz ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"4024\" height=\"2235\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-4024x2235.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7235\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-4024x2235.jpg 4024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-768x427.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-1536x853.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-2048x1138.jpg 2048w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Wir_sind_hier-150x83.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 4024px) 100vw, 4024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Eines ist unseren drei Podiumsg\u00e4sten gemein: Sie sind froh heute in Deutschland leben zu k\u00f6nnen, sie f\u00fchlen sich wohl, doch das Gef\u00fchl des wirklichen Angekommenseins hat sich noch nicht einstellen wollen \u2013 zumindest noch nicht ganz. Majid konnte 2019 aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden mit einem offiziellen Visum per Flugzeug aus dem Iran nach Deutschland einreisen. F\u00fcr den damals 35-j\u00e4hrigen folgte eine 15-monatige Zeit des Reisens quer durch Deutschland: Von Hamburg \u00fcber Bochum, Bonn, Speyer und Ingelheim bis schlie\u00dflich vor drei Jahren nach Mainz. Das schwierigste f\u00fcr ihn sei die Zeit des Wartens gewesen, nicht zu wissen, ob man in diesem Land bleiben d\u00fcrfe, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Mittlerweile f\u00fchle er sich in Deutschland zwar noch nicht angekommen, im Dorf Mainz jedoch schon. F\u00fcr ihn komme es vor allem auf die Menschen an, die einen umgeben. So sei Mainz nun seine neue Heimat und neu gewonnene Freunde seine Wahlfamilie. Was jetzt nur noch fehle, um sich wirklich angekommen zu f\u00fchlen, sei die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBegonnen hat alles, als der Krieg nach Aleppo kam\u201c, so begann die Geschichte von Aram, der als kurdischer Jurastudent seine Heimat Syrien verlassen musste. Die Familie entschied sich dazu, zun\u00e4chst Arams Frau und deren Bruder mit Tochter nach Deutschland zu schicken. 2016 kamen sie so auf illegalem Weg nach Deutschland. Als gro\u00dfe Herausforderung sieht er vor allem die deutsche B\u00fcrokratie. In Aleppo eine Wohnung zu mieten oder eine Baugenehmigung zu bekommen, sei eine Sache von wenigen Tagen; in Deutschland hingegen habe er t\u00e4glich mehrere Briefe von \u00c4mtern bekommen und alle Schritte h\u00e4tten sehr lange gedauert. So kam es auch zu der merkw\u00fcrdigen Situation, dass er, der erst \u00fcber ein Jahr nach seiner Frau nach Deutschland kam, seinen Aufenthaltstitel dennoch vor ihr erlangte. Sehr eindr\u00fccklich schilderte Aram auch die ersten Kontakte mit der deutschen Sprache in Deutschland. Die Dialekte, denen er hier begegnete, seien nach seinen Deutschunterrichtsstunden ein Schock f\u00fcr ihn gewesen. Als ihn ein Kollege und Freund fragte \u201eWolle mer eene rooche?\u201c habe er noch weitere drei Mal nachfragen m\u00fcssen, ehe er verstanden habe, was diese Worte bedeuteten. Auch Aram hob hervor, wie wichtig die Hilfe von Ehrenamtlichen f\u00fcr ihn und seine Familie gewesen sei und zeichnete dabei ein wunderbares Bild: Die Gesellschaft sei wie ein gemeinsamer Garten, auf den man achten m\u00fcsse und um den man sich k\u00fcmmern m\u00fcsse, damit er sch\u00f6n sei, sonst w\u00fcrde er verwildern und seine Sch\u00f6nheit verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAm Anfang war ich komplett allein und wusste nichts dar\u00fcber, wie die Dinge in Deutschland ablaufen.\u201c, so schilderte Sandra ihr Ankommen als achtj\u00e4hriges M\u00e4dchen aus Syrien. Heute ist sie Sch\u00fclerin am Gutenberggymnasium und erinnert sich, wie ihr Vater ihr mitteilte, dass sie ausziehen m\u00fcssen \u2013 als letzte Familie, die noch in der Stra\u00dfe in Syrien gelebt hatte. Den Weg durch verschiedene L\u00e4nder wie Irak, Iran und Bulgarien habe die Familie zu Fu\u00df zur\u00fcckgelegt. Nachdem sie aufgrund ihrer illegalen Einreise nach Deutschland in M\u00fcnchen aufgegriffen wurden, gelangten sie schlie\u00dflich \u00fcber mehrere St\u00e4dte nach Mainz. Dass alle Menschen irgendwie anders aussahen, lie\u00df Sandra sich verloren f\u00fchlen. Enorm wichtig auf ihrem Weg waren Bezugspersonen. In ihrem Fall war es ein ehrenamtlich engagiertes Ehepaar aus Mainz, das im Laufe der Zeit zu ihrer Familie wurde. Durch sie habe sie Unterst\u00fctzung bekommen, sodass sie in der Schule mitkam und die allt\u00e4glichen Herausforderungen meistern konnte. Auf die Frage, ob sie sich angekommen f\u00fchlt, antwortete Sandra vorsichtig. Sie f\u00fchle sich keiner Nation so wirklich zugeh\u00f6rig und obwohl sie sich in Deutschland sehr wohl f\u00fchle und froh sei, dass ihr Vater sich damals dazu entschieden hat, nach Deutschland zu fliehen, f\u00fchle sie sich noch immer etwas unpassend und fremd.<\/p>\n\n\n\n<p>Fatma Polat zeichnete gleich zu Beginn der Diskussion das Bild, dass sie zwischen zwei St\u00fchlen sitze. So k\u00f6nne sie als Kind t\u00fcrkischer Gastarbeiter*innen eigene Erfahrungen, aber auch als Vorsitzende des Vereins Arc-En-Ciel die institutionelle Perspektive in das Gespr\u00e4ch mit einbringen. Auch sie hob hervor, dass ehrenamtlich Engagierte enorm wichtig f\u00fcr die Integration gefl\u00fcchteter Menschen sind, vor allem, wenn sie die Neuangekommenen mit ihren jeweiligen Eigenarten annehmen und ihnen ohne erhobenen Zeigefinger begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Miguel Vicente, Beauftragter der Landesregierung f\u00fcr Migration und Integration, schaltete sich ebenfalls in die Diskussion ein, da er sich in vielen Geschichten wiedererkennen k\u00f6nne. Er selbst sei als Kind spanischer Gastarbeiter*innen mit f\u00fcnf Jahren nach Deutschland gekommen. Er griff das Bild der zwei St\u00fchle von Fatma Polat auf und sagte, dass es einen dritten Stuhl brauche f\u00fcr etwas Eigenes, das mehrere Identit\u00e4ten widerspiegeln k\u00f6nne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel \u201eHier bin ich \u2013 Wir sind hier. 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