{"id":7030,"date":"2024-04-29T16:00:44","date_gmt":"2024-04-29T14:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?p=7030"},"modified":"2024-04-29T16:00:46","modified_gmt":"2024-04-29T14:00:46","slug":"nachbericht-zur-veranstaltung-nur-wer-sich-aendert-bleibt-sich-treu-wolf-biermann-und-israel-vortrag-mit-musikbeispielen-von-uwe-v-seltmann-am-14-april","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/2024\/04\/29\/nachbericht-zur-veranstaltung-nur-wer-sich-aendert-bleibt-sich-treu-wolf-biermann-und-israel-vortrag-mit-musikbeispielen-von-uwe-v-seltmann-am-14-april\/","title":{"rendered":"Nachbericht zur Veranstaltung \u201eNur wer sich \u00e4ndert, bleibt sich treu \u2013 Wolf Biermann und Israel | Vortrag mit Musikbeispielen von Uwe v. Seltmann\u201c am 14. April"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"2442\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7032\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-300x286.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-768x733.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-1536x1465.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-2048x1954.jpg 2048w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_181005-150x143.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Diese Veranstaltung zu Wolf Biermann und Israel fand in Kooperation mit der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit Mainz und im Rahmen unserer kleinen Reihe zur DDR Geschichte statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wolf Biermann, geboren am 15. November 1936 in einer kommunistischen Arbeiterfamilie in Hamburg, ist einer der bekanntesten Liedermacher und Schriftsteller Deutschlands. Seine Gedichtb\u00e4nde z\u00e4hlen zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur und wurden in zahlreiche Sprachen \u00fcbersetzt. Biermann war die scharfz\u00fcngigste Stimme des Widerstands in der DDR und wurde 1965 von der DDR-Nomenklatura mit einem totalen Publikations- und Auftrittsverbot belegt, seine Werke durften nur in der Bundesrepublik erscheinen. Als er im November 1976 aus der DDR ausgeb\u00fcrgert wurde, schrieb er unfreiwillig Weltgeschichte: Die unerwartet gro\u00dfe Protestbewegung in Ost und West gilt als Anfang vom Ende der DDR. Mit seinen oft provokanten Essays mischt sich der mit allen wichtigen Literaturpreisen geehrte Biermann bis heute ins politische Tagesgesch\u00e4ft ein. An diesem Abend widmete sich Uwe von Seltmann einem Aspekt in Biermanns Leben und Werk, der in der \u00d6ffentlichkeit kaum bekannt ist: Wolf Biermanns J\u00fcdischsein und seiner engen Verbindung zu Israel. Biermanns Vater Dagobert, ein kommunistischer Widerstandsk\u00e4mpfer gegen die Nationalsozialisten, wurde 1943 in Auschwitz als Jude ermordet. Der \u201ej\u00fcdische Mischling ersten Grades\u201c Wolf Biermann hingegen \u00fcberlebte den \u201aRassenwahn\u2018 der Nationalsozialisten. Wie sieht sich Biermann selbst, der in dem Lied \u201eNur wer sich \u00e4ndert, bleibt sich treu?\u201c geschrieben hat: \u201eIch bleibe, was ich immer war \/ Halb Judenbalg und halb ein Goj\u201c? Wie hat die Freundschaft mit dem Auschwitz-\u00dcberlebenden und Historiker Arno Lustiger (1924\u20132012) Biermanns Leben ver\u00e4ndert? Welche Bedeutung hat die jiddische Sprache f\u00fcr ihn? Und wie kam es zu Biermanns ausgepr\u00e4gter Solidarit\u00e4t mit Israel, die ihn 2006 sagen lie\u00df: \u201eIsraels Schicksal sehe ich als ein Menetekel f\u00fcr die V\u00f6lkerfamilie auf diesem winzigen Planeten Erde\u201c? Diese Fragen standen im Zentrum des Abends.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"2185\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7031\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-300x256.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-768x656.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-1536x1311.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-2048x1748.jpg 2048w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240414_182341-150x128.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wurden die rund 25 Teilnehmenden von unserer Referentin f\u00fcr P\u00e4dagogik und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Franziska Hendrich, begr\u00fc\u00dft. Nach einer Begr\u00fc\u00dfung von Anke Joisten-Pruschke, der Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit in Mainz, wurde das Wort an Uwe von Seltmann \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes besch\u00e4ftigte er sich mit der Frage, ob Wolf Biermann, der nach dem traditionellen j\u00fcdischen Gesetz mit dem Mutterprinzip nicht als j\u00fcdisch angesehen worden w\u00e4re, sich selbst aber als j\u00fcdisch definierte. Hierzu wurden zun\u00e4chst verschiedene allgemeine Auffassungen und Ansichten aufgef\u00fchrt, bevor einige Zitate von Biermann selbst und eines seiner Lieder vorgestellt wurden, in denen er sich als Jude bezeichnete . Vor dem Hintergrund seiner Familiengeschichte wurde aufgezeigt, dass viele seiner j\u00fcdischen Verwandten, die ihn in den Glauben und die Traditionen h\u00e4tten einf\u00fchren k\u00f6nnen, im Holocaust ermordet worden waren. Gleichzeitig verdeutlichte von Seltmann, dass Biermanns Mutter und sp\u00e4ter auch sein Vater Kommunist*innen waren und er somit vor allem vor diesem Hintergrund aufwuchs. Dennoch widmete Biermann in seinem Buch ein ganzes Kapitel dem Thema Gott und bemerkt, dass alle Menschen, die ihn h\u00e4tten j\u00fcdisch machen k\u00f6nnen, tot seien und er somit einfach nur ein Mensch geworden sei. Besonders das Schicksal seines Vaters und dessen Tod in Auschwitz begleiteten Wolf Biermann ein Leben lang und beeinflussten viele seiner Entscheidungen, so auch seine wehrhafte Haltung in der DDR. Sein Vater habe sein Leben aufs Spiel gesetzt und somit solle Wolf Biermann wenigstens sein eigenes Wohlleben aufs Spiel setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren berichtete Uwe von Seltmann von Biermanns Erfahrungen w\u00e4hrend des Krieges und wie er und seine Mutter die Bombenangriffe als Himmelsgeschenke hinnahmen. Sie gab ihm den Auftrag seinen Vater zu r\u00e4chen. Diesen Auftrag wollte er in der DDR zun\u00e4chst erf\u00fcllen, indem er den Kommunismus mit aufbaute. Auch diese Erfahrungen und sein Gef\u00fchl zun\u00e4chst ins gelobte Land gekommen zu sein arbeitete er in Liedern auf. Doch gerade im Lied \u201eNur wer sich \u00e4ndert bleibt sich treu\u201c findet man sein Bekenntnis zu seinem j\u00fcdischen Erbe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer kurzen Pause, die bei einem Glas &nbsp;Wein zu regen Diskussionen anregte, widmete sich Uwe von Seltmann besonders Biermanns Freundschaft zu Arno Lustiger. Es wurde von ihrem Kennenlernen und gemeinsamen Arbeiten berichtet. Anschlie\u00dfend gab es einen kleinen Exkurs in die jiddische Sprache, wobei u.a. solche Worte beleuchtet wurden, die wir auch heute noch in unserem Sprachgebrauch nutzen. Dazu wurde das Lied \u201eEs brennt\u201c von Wolf Biermann abgespielt und in dessen Hintergrundgeschichte und Bedeutung eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend wurde sich der Frage nach Biermanns Verh\u00e4ltnis zu Israel gewidmet und ein Augenmerk auf seinen Zeit-Artikel \u201eKriegshetze, Friedenshetze\u201c zum Beginn der damaligen Kampfhandlungen in Kuwait und im Irak gelegt. Hiermit brach Biermann mit der Friedensbewegung und einigen linken Freund*innen, indem er deutlich machte, dass auch er nur leben konnte, weil damals bewaffnete Soldaten in Deutschland einmarschiert waren und sie befreit hatten. Biermann stellte sich eindeutig gegen eine Schuldumkehr zu Lasten Israels und verdeutlichte noch einmal, dass f\u00fcr ihn die englischen Bomben damals auch Himmelsgeschenke waren, da er unter dem gelben Stern geboren worden sei. Nach einigen Einordnungen und Zitaten ging Uwe von Seltmann auch auf die aktuelle Lage Israels seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und Biermanns Stellung dazu ein. Hierzu zeigte er ein aktuelles Video eines Auftrittes von Biermann. Darin machte er deutlich, dass auch er daf\u00fcr sei, dass sich die Pal\u00e4stin\u00e4nser*innen befreien, womit er die Befreiung &nbsp;&nbsp;von der Terrorgruppe Hamas meine. Dies k\u00f6nnten sie jedoch nicht alleine durch Israel schaffen, sondern m\u00fcssten sich dieser Terrorgruppe selbst entledigen. Mit der Hilfe von arabischen Staaten k\u00f6nne laut der Botschaft in Biermanns Video die Chance auf Erfolg gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"1600\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7033\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103.jpg 1200w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG-20240429-WA0103-113x150.jpg 113w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Veranstaltung zu Wolf Biermann und Israel fand in Kooperation mit der Gesellschaft f\u00fcr Christlich-J\u00fcdische Zusammenarbeit Mainz und im Rahmen unserer kleinen Reihe zur DDR Geschichte statt. 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