{"id":6945,"date":"2024-04-16T11:49:31","date_gmt":"2024-04-16T09:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?p=6945"},"modified":"2024-04-16T11:49:32","modified_gmt":"2024-04-16T09:49:32","slug":"nachbericht-buchvorstellung-mit-prof-dr-frank-nonnenmacher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/2024\/04\/16\/nachbericht-buchvorstellung-mit-prof-dr-frank-nonnenmacher\/","title":{"rendered":"Nachbericht: Buchvorstellung mit Prof. Dr. Frank Nonnenmacher"},"content":{"rendered":"\n<br>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"3824\" height=\"2604\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6946\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher.png 3824w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher-300x204.png 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher-768x523.png 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher-1536x1046.png 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher-2048x1395.png 2048w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Buchvorstellung_Nonnenmacher-150x102.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 3824px) 100vw, 3824px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte melden sich 20 Nachkommen der \u00fcber 75 Jahre lang verleugneten KZ-H\u00e4ftlinge in einem Sammelband zu Wort: \u201eDie Nazis nannten sie ,Asoziale\u2018 und ,Berufsverbrecher\u2018. Verfolgungsgeschichten im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik\u201c (Campus). Die Autor*innen beschreiben darin die jeweilige Verfolgungsgeschichte ihrer Vorfahren, die mit dem gr\u00fcnen oder schwarzen Winkel in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern inhaftiert wurden und von denen die meisten das NS-Regime nicht \u00fcberlebten und ermordet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Herausgegeben wird dieser Sammelband von Prof. Dr. Frank Nonnenmacher. Er ist emeritierter Professor f\u00fcr politische Bildung an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t und bereits vor zehn Jahren eine Doppelbiografie zu seinem Vater Gustav und dessen Bruder Ernst verfasst. Am 20. M\u00e4rz gab Frank Nonnenmacher in unserem Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz Mainz Einblicke in die im Buch dargestellten Verfolgungsgeschichten sowie in den langen Weg zur Anerkennung f\u00fcr die \u00dcberlebenden.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Begr\u00fc\u00dfung und Einf\u00fchrung hob Dr. Cornelia Dold hervor, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die verschiedenen Opfer des NS-Regimes wachzuhalten. So sei es zentrales Anliegen des Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz, den Fokus immer wieder auf die unterschiedlichen Opfergruppen zu legen und so vor allem jene, die lange Zeit \u2013 und zum Teil noch bis heute \u2013 in den Hintergrund gerieten, dem Vergessen zu entrei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend stellte Prof. Dr. Frank Nonnenmacher zwei Biografien aus dem Sammelband genauer vor: Neben der seines Onkels auch die von Emil Baum. Das Schicksal Emil Baums, das in der Publikation von dessen Urenkel Daniel Engel geschildert wird, verdeutlicht die Verdr\u00e4ngung der eigenen Familiengeschichte, wie sie in vielen Haushalten im Nachkriegsdeutschland stattgefunden hatte. Emil Baum, dessen Mutter bereits verstarb als er erst sechs Jahre alt war, wechselte sp\u00e4ter h\u00e4ufig seinen Arbeitsplatz und geriet immer wieder in die Arbeitslosigkeit. Auch wenn Emil Baum nach der Hochzeit mit Ella Margareta Schanne und der Geburt der gemeinsamen Tochter Hildegard, einen beruflichen Neuanfang wagte, geriet die Familie immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Um seine Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen, beging er mehrere Diebst\u00e4hle. 1936 wird er wegen \u201eschwerem Diebstahl mit R\u00fcckfall\u201c zu einer mehrj\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt. Der Urenkel Daniel Engel fand bei seinen Recherchen heraus, dass Emil Baum mit dem schwarzen Winkel als sogenannter \u201aAsozialer\u2018 im Konzentrationslager Mauthausen inhaftiert war. Er wurde wohl ein Opfer des nationalsozialistischen Programms \u201eVernichtung durch Arbeit\u201c. Er starb am 11. Januar 1940, um 15:20 Uhr, im KZ Mauthausen angeblich an \u201eLungenentz\u00fcndung und Herz-Kreislaufschw\u00e4che\u201c, so eine Eintragung in einem der von der SS gef\u00fchrten Totenb\u00fccher, auf die Daniel Engel stie\u00df. Sehr viel wahrscheinlich starb er wohl an Ersch\u00f6pfung von der zu leistenden Arbeit im KZ Mauthausen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst Nonnenmacher, der Onkel Frank Nonnenmachers, war nicht mit dem schwarzen, sondern mit dem gr\u00fcnen Winkel der sogenannten \u201aBerufsverbrecher\u2018 H\u00e4ftling im KZ Flossenb\u00fcrg. Auch er hatte einen Diebstahl begangen; aus Hunger klaute er bei einem B\u00e4cker ein Br\u00f6tchen und wurde inhaftiert. 1941 wurde er aus der Haft entlassen und unmittelbar zur Arbeit im Steinbruch in das KZ Flossenb\u00fcrg deportiert. Frank Nonnenmacher f\u00fchrte aus, dass gerade die von den Nationalsozialisten als \u201aAsoziale\u2018 und \u201aBerufsverbrecher\u2018 bezeichneten H\u00e4ftlinge gewinnbringend vernichtet werden sollten, sprich, dass das NS-Regime ihre Arbeitskraft ausnutzen wollte, bis sie vor Ersch\u00f6pfung starben oder ermordet wurden. Ernst Nonnenmacher wurde von dort aus noch in das KZ Sachsenhausen verlegt, da bekannt war, dass er Korbflechten konnte. Sp\u00e4ter bezeichnete er dies als \u201elebensrettend\u201c, da er dort in ein \u201egutes Kommando\u201c gekommen sei. Doch Frank Nonnenmacher schilderte nicht nur den Leidensweg seines Onkels bis zur Befreiung durch die Alliierten, sondern legte den Fokus auch auf die Nachkriegszeit. Die Opfergruppen der Schwarz- und Gr\u00fcnwinkligen bekam zun\u00e4chst keinerlei Anerkennung als Opfer des Faschismus. So wirkte das durch die NS-Propaganda gepr\u00e4gte Bild dieser Menschen auch nach 1945 noch lange weiter: Sie galten weiterhin als \u201ezu Recht\u201c von den Nationalsozialisten verfolgt. Die meisten \u00dcberlebenden dieser Opfergruppe schwiegen daher auch aus Scham lange Jahre \u00fcber ihre Schicksale \u2013 auch in den eigenen Familien wurde oftmals nicht \u00fcber die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gesprochen, so auch in der Familie Nonnenmacher.<\/p>\n\n\n\n<p>Frank Nonnenmacher wies daher darauf hin, welch ein Meilenstein es sei, dass der Deutsche Bundestag diese Menschen 2020 als Opfer der NS-Diktatur anerkannte. Dadurch sei offiziell die so lange erk\u00e4mpfte Anerkennung ausgesprochen worden. Doch auch wenn der Deutsche Bundestag 2020 eine Erkl\u00e4rung abgab, laut der diese Opfergruppe einen \u201eangemessenen Platz im bundesweiten Erinnern\u201c bekommen solle, dass es Ausstellungen, Forschungsarbeiten u.a.m. geben solle, sei bislang nur eine erste Ausstellung in Arbeit. Dies zeige, dass man weiter laut bleiben m\u00fcsse und daher habe er sich auch zu diesem Sammelband entschieden, in dem die Nachkommen der Verfolgten zu Wort kommen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hoch interessante Veranstaltung in unserem Haus mit einem zugleich informativen wie emotionalen Vortrag von Prof. Dr. Frank Nonnenmacher wurde leider nur von recht wenigen Menschen besucht \u2013 vielleicht ein trauriges Zeichen daf\u00fcr, dass Opfergruppen, die im Zentrum des Abends standen, allzu oft in Vergessenheit geraten oder gar daf\u00fcr, dass das seit der NS-Propaganda gepr\u00e4gte Bild der \u201ekriminellen\u201c und somit zu Recht verfolgten Menschen bis heute fortwirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte melden sich 20 Nachkommen der \u00fcber 75 Jahre lang verleugneten KZ-H\u00e4ftlinge in einem Sammelband zu Wort: \u201eDie Nazis nannten sie ,Asoziale\u2018 und ,Berufsverbrecher\u2018. 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