{"id":5955,"date":"2023-03-09T15:04:34","date_gmt":"2023-03-09T14:04:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?p=5955"},"modified":"2023-03-09T15:29:27","modified_gmt":"2023-03-09T14:29:27","slug":"nachbericht-die-verfolgung-der-mainzer-sinti-zwischen-1933-und-1945-am-7-maerz-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/2023\/03\/09\/nachbericht-die-verfolgung-der-mainzer-sinti-zwischen-1933-und-1945-am-7-maerz-2023\/","title":{"rendered":"Nachbericht: \u201eDie Verfolgung der Mainzer Sinti zwischen 1933 und 1945\u201c am 7. M\u00e4rz 2023"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"828\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-828x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5956\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-828x1024.jpg 828w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-242x300.jpg 242w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-768x950.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-1241x1536.jpg 1241w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436-121x150.jpg 121w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230307_193436.jpg 1614w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 1940 wurde ein Gro\u00dfteil der Mainzer Sinti* durch die Schutz- und Kriminalpolizei verhaftet und im st\u00e4dtischen Polizeigef\u00e4ngnis inhaftiert. Am helllichten Tag des 16. Mai wurden sie zum G\u00fcterbahnhof in der Mombacher Stra\u00dfe gebracht und von dort aus in das Sammellager Hohenasperg deportiert. Der Politikwissenschaftler Herbert Heu\u00df, der lange Jahre in der B\u00fcrgerrechtsbewegung der Sinti* und Roma* in Deutschland arbeitete und wissenschaftlicher Leiter im Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma war, widmete sich in seinem Vortrag der Verfolgungsgeschichte der Mainzer Sinti*.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der Themenwochen gegen Antiziganismus organisierten wir gemeinsam mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma und der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universit\u00e4t Heidelberg gleich mehrere Vortr\u00e4ge, die die Dimension des V\u00f6lkermordes an den Sinti* und Roma*, die regionale Verfolgungsgeschichte sowie die Nachkriegszeit beleuchteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Begr\u00fc\u00dfung durch die Leiterin des Hauses des Erinnerns, Dr. Cornelia Dold, stellte Jacques Delfeld Jr., Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, die neu geschaffene Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Rheinland-Pfalz (kurz <a href=\"https:\/\/www.antiziganismus-melden.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.antiziganismus-melden.de\/\">MIA RLP<\/a>) vor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"605\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG-20230308-WA0001-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5957\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG-20230308-WA0001-1.jpg 930w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG-20230308-WA0001-1-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG-20230308-WA0001-1-768x500.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/IMG-20230308-WA0001-1-150x98.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Herbert Heu\u00df legte in seinem anschlie\u00dfenden Vortrag den Fokus auf die regionale Verfolgungsgeschichte der Mainzer Sinti* in der Zeit zwischen 1933 und 1945, weitete seine Betrachtung aber auch immer wieder auf die Nachkriegszeit aus. Die Verfolgungsma\u00dfnahmen gegen Sinti* und Roma* seien eine Art Probeverfahren f\u00fcr den sp\u00e4teren V\u00f6lkermord an den J\u00fcdinnen*Juden gewesen, dies zeigen vorrangig auch die systematischen Deportationen. Nachdem Sinti* und Roma* bereits ab Oktober 1939 auf Anordnung Heinrich Himmlers ihre Wohnsitze nicht mehr verlassen durften, fanden im Fr\u00fchjahr 1940 die ersten systematischen Deportationen statt. In Mainz wurden 107 Sinti* am 16. Mai 1940 aus der Stadt deportiert. Herbert Heu\u00df machte deutlich, wie viele Menschen an diesen Deportationen beteiligt waren, oder aber von ihnen profitierten. Beispielhaft seien hier nur Reichssicherheitshauptamt, Deutsche Reichsbahn und \u00f6rtliche Kriminalpolizeistellen genannt. Der Deportationszug f\u00fchrte die Mainzer Sinti* gemeinsam mit vielen weiteren Sinti* aus Rheinhessen und der Pfalz in das Sammellager Hohenasperg bei Stuttgart. Dort f\u00fchrte man eine \u201arassenbiologische Untersuchung\u2018 durch, nach der 22 Personen des Transportes als \u201aNicht-Zigeuner\u2018 eingestuft wurden und nach Hause durften. Alle anderen Personen dieses Transportes wurden sechs Tage sp\u00e4ter mit einem weiteren Sonderzug in das \u201aGeneralgouvernement Polen\u2018 in verschiedene Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur wenige Sinti* erlebten das Kriegsende. Die Stimmen derjenigen, die die NS-Zeit \u00fcberleben konnten, band Herbert Heu\u00df in seinem Vortrag ein. So las er an verschiedenen Punkten aus den Erinnerungen ehemaliger Mainzer Sinti*, mit denen er bereits in den 1990er-Jahren Interviews f\u00fchren konnte. Dadurch erhielten die interessierten Teilnehmenden einen eindrucksvollen Einblick in die Erfahrungen der Mainzer Sinti*, die in ihren Erinnerungen \u00fcber die Verfolgungsma\u00dfnahmen, Deportationen, aber auch die R\u00fcckkehr nach Mainz sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder spannte der Referent auch den Bogen in die unmittelbare Nachkriegszeit, in dem er verdeutlichte, dass die Verfolgung und Vernichtung der Sinti* und Roma* in dieser Zeit weder international noch national eine Rolle spielten. So schilderte Herbert Heu\u00df, dass Personen und Institutionen, die ma\u00dfgeblich an diesen Verbrechen beteiligt waren, weitgehend nahtlose Biografien in der Nachkriegszeit aufweisen. Strafprozesse gegen T\u00e4ter*innen gab es so gut wie keine, oder sie wurden nach k\u00fcrzester Zeit wieder eingestellt. Hingegen mussten Sinti* und Roma* lange Jahre darum k\u00e4mpfen, dass die ihre Verfolgung und Vernichtung als V\u00f6lkermord anerkannt und \u00dcberlebende eine Wiedergutmachung erhielten. Oftmals wurden Sinti* und Roma* eine Wiedergutmachungszahlung abgesprochen, seien sie doch nicht aus rassischen Gr\u00fcnden verfolgt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sich anschlie\u00dfende Frage- und Diskussionsrunde zeigte das gro\u00dfe Interesse an dem Thema des Vortragsabends. Viele Teilnehmende waren vor allem dar\u00fcber entsetzt, wie wenig juristisch aufgearbeitet die Verfolgung an Sinti* und Roma* ist und wie vehement \u00dcberlebende um Wiedergutmachung k\u00e4mpfen mussten. Ein weiterer Grund daf\u00fcr, dass die Gesellschaft auch heute noch existierendem Antiziganismus entschieden entgegentreten sollte. Wir danken dem Referenten f\u00fcr den informativen und wichtigen Vortrag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 15. auf den 16. 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