{"id":4943,"date":"2022-04-22T13:03:31","date_gmt":"2022-04-22T11:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=4943"},"modified":"2022-06-07T16:38:01","modified_gmt":"2022-06-07T14:38:01","slug":"rias-kinzel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/rias-kinzel\/","title":{"rendered":"Tanja Kinzel"},"content":{"rendered":"\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2021 ist Dr. Tanja Kinzel als Referentin f\u00fcr Bildung beim Bundesverband RIAS e.V. t\u00e4tig. Wir sprachen mit ihr \u00fcber die Zielsetzung und Arbeitsweise von RIAS e.V. \u2013 aber auch \u00fcber die zunehmenden Meldungen antisemitischer Vorf\u00e4lle w\u00e4hrend der Pandemie und \u00fcber die Notwendigkeit, diese bundesweit zu dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"> Interview: Janika Schiffel | M\u00e4rz 2022<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4947 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel2-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><strong>Zur Person<br><\/strong>Seit Februar 2021 ist die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Dr. Tanja Kinzel als Referentin f\u00fcr Bildung beim Bundesverband RIAS e.V. t\u00e4tig. Ihre Promotion in Geschichte schloss sie zum Thema \u201eIm Fokus der Kamera. Fotografien aus dem Getto \u0141\u00f3d\u017a\u201d an der Freien Universit\u00e4t Berlin im Osteuropa-Institut ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte in Lehre, Forschung und politischer Bildung liegen in den Bereichen Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus, Erinnerungspolitik, j\u00fcdisches Leben, Erscheinungsformen und Geschichte des Antisemitismus, Familiengeschichten, Macht- und Geschlechterverh\u00e4ltnisse. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><sup>Foto: privat<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. wurde 2018 gegr\u00fcndet. Mit welcher Zielsetzung wurde der Verband ins Leben gerufen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesverband RIAS e.V. wurde gegr\u00fcndet, um eine bundesweite zivilgesellschaftliche Struktur lokaler Meldestellen auf den Weg zu bringen und eine einheitliche Erfassung und Dokumentation antisemitischer Vorf\u00e4lle sicherzustellen. Im Mittelpunkt unseres Ansatzes steht dabei stets die Parteilichkeit mit den Betroffenen, ihren Bed\u00fcrfnissen und Wahrnehmungen. Es ist ein zentrales Anliegen der Arbeit, das Vertrauen j\u00fcdischer und als j\u00fcdisch wahrgenommener Personen zu f\u00f6rdern und sie dabei zu unterst\u00fctzen, antisemitische Vorf\u00e4lle zu melden und hierbei auf zivilgesellschaftliche Melde- und Unterst\u00fctzungsangebote zur\u00fcckzugreifen. Daf\u00fcr ist eine enge Kooperation mit den jeweiligen Landesverb\u00e4nden der J\u00fcdischen Gemeinden, j\u00fcdischen Organisationen, Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen notwendig.<br><br>Obwohl viele der in Deutschland lebenden J\u00fcdinnen*Juden in ihrem Alltag regelm\u00e4\u00dfig mit Antisemitismus konfrontiert sind, wird ihre Perspektive in der Mehrheitsgesellschaft kaum wahrgenommen. Antisemitismus erfahren Betroffene in allen Lebensbereichen, ob auf der Arbeit, in der Schule und Ausbildung, auf der Stra\u00dfe und im \u00d6PNV, in ihrem Freund*innenkreis oder Wohnumfeld. Oder wie in dem folgenden Beispiel in einem Corona-Test-Zentrum: Der betroffene Mann suchte dieses auf, um einen Schnelltest zu machen. In der Kabine stellte er eine durchsichtige Tupperbox mit Kuchen auf dem Boden ab. Der englischsprachige Mitarbeiter des Testzentrums sah den Kuchen und bedankte sich im Scherz daf\u00fcr. Die beiden lachten zusammen und der Mitarbeiter meinte, dass er ihn sowieso nicht essen k\u00f6nne, weil er gerade faste. Der Meldende w\u00fcnschte ihm daraufhin Ramadan Mubarak, der andere bedankte sich und fragte, ob er ebenfalls Moslem sei. Der Meldende erwiderte nein, er sei j\u00fcdisch. Als er dies h\u00f6rte, sagte der Mitarbeiter, \u201eJews are always very clever.\u201c Der Meldende, der keine Lust auf eine Diskussion hatte, lachte leicht und ignorierte den Kommentar. Der Mitarbeiter fuhr jedoch fort: \u201eThe problem is that they always control everything, the world and the media.\u201c Daraufhin zeigte er auf einen der Corona-Tests und sagte: \u201eCorona is also made and controlled by the Jews.\u201c Der Meldende war perplex und wollte den Test schnell \u00fcberstehen. Er sagte, damit habe er nichts zu tun, und verlie\u00df nach dem Test eilig das Zentrum. Zugleich war er erschrocken dar\u00fcber, wie offen der Mitarbeiter ihm seinen Antisemitismus und seine Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber Corona an den Kopf geworfen hat. Das Beispiel verdeutlicht, dass es sich bei Antisemitismus f\u00fcr J\u00fcdinnen*Juden um ein alltagspr\u00e4gendes Ph\u00e4nomen handelt, das ein permanentes Abw\u00e4gen zwischen der eigenen Sichtbarkeit und dem Sicherheitsrisiko, beleidigt oder bedroht zu werden, evoziert. Demgegen\u00fcber geht die bundesdeutsche Mehrheit davon aus, dass Antisemitismus in Deutschland kaum eine Rolle spiele und nur ein geringer Teil der nicht-j\u00fcdischen deutschen Bev\u00f6lkerung Ju\u0308dinnen*Juden gegen-\u00fcber negativ eingestellt sei (laut einer Studie von 2013 77 % der nicht-j\u00fcdischen Befragten). <strong>Jedoch stellt Antisemitismus f\u00fcr mehr als acht von zehn j\u00fcdischen Befragten (85 %) ein ernsthaftes Problem dar<\/strong>, wie aus der 2. Studie der Agentur der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Grundrechte (Fundamental Rights Agency, FRA) von 2018 hervorgeht. Nach Antisemitismus in den sozialen Medien und Netzwerken bewerteten die befragten J\u00fcdinnen*Juden Antisemitismus im \u00f6ffentlichen Raum (73 %), als eines der gr\u00f6\u00dften Probleme. Dementsprechend vertrat der Unabh\u00e4ngige Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestags in seinem 2. Bericht von 2017 die Position: \u201eVieles an dem Erleben von Antisemitismus bleibt fu\u0308r die nicht-ju\u0308dische Mehrheitsgesellschaft unsichtbar.\u201c Er kam zu dem Schluss, dass zwischen j\u00fcdischen Communities und der nicht-j\u00fcdischen Mehrheit eine \u201ePerspektivendivergenz\u201c bestehe.<br><br>Der Bundesverband RIAS ist mit dem Ziel angetreten, diese Perspektivendivergenz sichtbar zu machen und strebt zugleich an, die daraus resultierende Wahrnehmungsdiskrepanz in Bezug auf Antisemitismus zwischen der nicht-j\u00fcdischen Mehrheitsgesellschaft und in Deutschland lebenden Juden*J\u00fcdinnen zu reduzieren. Grundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesverbandes sind die Erfahrungen von RIAS Berlin, der bundesweit ersten RIAS Meldestelle, die seit 2015 beim Verein demokratische Kultur e.V. (VdK) t\u00e4tig ist. Der Gr\u00fcndung der Meldestelle RIAS Berlin war eine Befragung von J\u00fcdinnen*Juden in Berlin (\u201eWir stehen alleine da\u201c) vorausgegangen, um die spezifischen Anforderungen in Bezug auf das Meldeangebot an den Bed\u00fcrfnissen der j\u00fcdischen Communities auszurichten. Zwischen 2017 und 2021 f\u00fchrte der Bundesverband RIAS in sieben weiteren Bundesl\u00e4ndern vergleichbare systematische Befragungen von J\u00fcdinnen*Juden durch. <strong>Die Befragungen, die als Problembeschreibungen ver\u00f6ffentlicht wurden, haben das Ziel, die Situation von j\u00fcdischen Communities und Einzelpersonen in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern zu erfassen, und zu erheben in welchem Ausma\u00df sie von Antisemitismus betroffen sind.<\/strong> Durch die Arbeit der Meldestelle und die Befragungen wurde deutlich, dass viele der Betroffenen zun\u00e4chst angeben, nicht so h\u00e4ufig mit Antisemitismus konfrontiert zu sein, im Gespr\u00e4ch jedoch von einer Vielzahl antisemitischer Vorf\u00e4lle berichten, die ihren Alltag nachhaltig pr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesverband RIAS verfolgt damit das \u00fcbergeordnete Ziel, jede Form des Antisemitismus aus einer betroffenenorientierten und zivilgesellschaftlichen Perspektive bundesweit nach einheitlichen Standards zu dokumentieren. Erfassung und Ver\u00f6ffentlichung der Meldungen sollen Antisemitismus als alltagspr\u00e4gende Erfahrung sichtbar machen, mit der J\u00fcdinnen*Juden in sozialen Interaktionen aller Art konfrontiert sind. In diesem Sinne ist Antisemitismus als alltagspr\u00e4gendes Ph\u00e4nomen auch auf der grafischen Skizze dargestellt, die Jonas Heidebrecht f\u00fcr den Bundesverband RIAS erstellt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4971\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/AS-als-alltagspra\u0308gendes-Pa\u0308nomen.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><sup>Quelle: Jonas Heidebrecht | Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V.&nbsp;<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht die Arbeitsweise von RIAS dabei genau aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Arbeitsweisen umfassen, wie bereits angeklungen ist, verschiedene Ebenen:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen, aber auch Meldungen aus dem zivilgesellschaftlichen Meldenetzwerk j\u00fcdischer und nicht-j\u00fcdischer Organisationen. Die Annahme, Verifizierung und Systematisierung der Meldungen bilden das Kerngesch\u00e4ft der T\u00e4tigkeit: Sie werden dokumentiert und in einer Datenbanksoftware nach wissenschaftlicher Verschlagwortung systematisch erfasst. Unsere Arbeitsweise und die Definition eines antisemitischen Vorfalls basiert auf den Kategorien des Community Security Trust (CST), einer britischen NGO, die seit 1984 antisemitische Vorf\u00e4lle registriert. So kann das Ausma\u00df antisemitischer Vorf\u00e4lle auch im internationalen Kontext verglichen werden. Die wissenschaftlichen Kategorien werden immer wieder \u00fcberarbeitet, einem wissenschaftlichen Beirat zur Diskussion vorgelegt und ausdifferenziert. Sie umfassen verletzendes Verhalten, Bedrohungen, gezielte Schachbesch\u00e4digung (dazu geh\u00f6ren auch Vorf\u00e4lle an Orten der Erinnerung an die Shoah), Angriffe, extreme Gewalt und Massenzuschriften. Bei der Erfassung antisemitischer Vorf\u00e4lle werden verschiedene Kategorien erhoben: Vorfalltyp, Gruppen von Betroffenen, politisch-weltanschauliche Hintergr\u00fcnde sowie Erscheinungsformen von Antisemitismus.<br><br>Der Bundesverband RIAS differenziert <strong>f\u00fcnf Erscheinungsformen<\/strong> von Antisemitismus:<strong> Antisemitisches Othering<\/strong> liegt vor, wenn J\u00fcdinnen*Juden als Fremde oder zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft nicht-dazugeh\u00f6rig beschrieben werden, wie bspw. bei der Beschimpfung als \u201eJude\u201c. Der <strong>antijudaistische Antisemitismus<\/strong> umfasst religi\u00f6s begr\u00fcndete Stereotype, wie etwa Ritualmord-Legenden. Dem <strong>modernen Antisemitismus<\/strong> werden all jene Ausdrucksformen zugerechnet, in denen J\u00fcdinnen*Juden eine besondere politische oder \u00f6konomische Macht zugeschrieben wird, wie dies auch bei Verschw\u00f6rungsmythen der Fall ist. <strong>Post-Shoah-Antisemitismus<\/strong> liegt dann vor, wenn die Erinnerung an die NS-Verbrechen abgelehnt wird oder die nationalsozialistischen Massenverbrechen relativiert werden, wie es aktuell bei den Protesten gegen die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Covid-19-Pandemie h\u00e4ufig der Fall ist. Um <strong>israelbezogenen Antisemitismus<\/strong> handelt es sich, wenn sich antisemitische Aussagen gegen den j\u00fcdischen Staat Israel richten, etwa wenn dessen Legitimit\u00e4t infrage gestellt wird. Die erfassten Daten werden von den Mitarbeiter*innen des Bundesverbandes RIAS und den lokalen Meldestellen analysiert und damit zur Grundlage f\u00fcr Publikationen, wie Berichte und Bildungsmaterialien, Vortr\u00e4ge, Workshops und Seminare.<br><br>Im Rahmen des Projekts Bundesweite Koordination (RIAS \u2013 BK) unterst\u00fctzt und initiiert der Bundesverband RIAS dar\u00fcber hinaus seit Februar 2019 den Aufbau regionaler Melde- und Unterstu\u0308tzungsnetzwerke in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern. Diese T\u00e4tigkeit wird mittlerweile durch das Bundesprogramm \u201eDemokratie Leben!\u201c, die Integrationsbeauftragte und den Antisemitismus Beauftragten der Bundesregierung gef\u00f6rdert. Derzeit existieren bereits in elf Bundesl\u00e4ndern Meldestellen bzw. befinden sich im Aufbau. Zu den Aufgaben geh\u00f6rt es, neue Meldestellen zu qualifizieren, damit sie Erfassung und Analyse der Vorf\u00e4lle in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern selbst\u00e4ndig durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Der Bundesverband steht mit den lokalen Meldestellen im Rahmen der Bundesarbeitsgemeinschaft zudem in engem Kontakt, um die wissenschaftlichen Kriterien der Erfassung, Analyse, Dokumentation und Ver\u00f6ffentlichung von antisemitischen Vorf\u00e4llen qualitativ weiterzuentwickeln und zu vereinheitlichen. In regionaler Tr\u00e4gerschaft existieren neben Berlin und Bayern momentan Meldestellen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Th\u00fcringen. Zu den im Aufbau befindlichen im Bundesverband RIAS organisierten Meldestellen geh\u00f6ren jene in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unter welcher Arbeitsdefinition von Antisemitismus erfasst und dokumentiert RIAS die Vorf\u00e4lle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorg\u00e4ngerorganisation der Europ\u00e4ischen Grundrechteagentur (FRA) begann 2004 angesichts einer steigenden Anzahl antisemitischer Vorf\u00e4lle in Westeuropa eine Definition von Antisemitismus zu entwickeln, um einen europaweiten Standard f\u00fcr das Monitoring von Antisemitismus zu erarbeiten. Die 2005 vorgelegte Arbeitsdefinition Antisemitismus ist unter Einbeziehung j\u00fcdischer und zivilgesellschaftlicher Organisationen und Akteur*innen in den jeweiligen L\u00e4ndern entstanden und wurde im Mai 2016 von den Mitgliedsstaaten auf dem Plenum der International Holocaust Remembrance Association (IHRA) in Bukarest \u00fcbernommen. Diese wurde von der Bundesregierung 2017 indossiert, das hei\u00dft anerkennend zur Kenntnis genommen und f\u00fcr die die Strafverfolgung von Justiz und Polizei sowie f\u00fcr die Arbeit von Beh\u00f6rden und Politik zur Verwendung empfohlen.<br><br>Diese juristisch nicht bindende Arbeitsdefinition aus der Praxis der Antisemitismuspr\u00e4vention ist auch Grundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesverbands RIAS. Sie bietet f\u00fcr die zivilgesellschaftliche Erfassung ein Instrument, um antisemitische Vorf\u00e4lle im Alltag zu erkennen. Die von der Bundesregierung zur Kenntnis genommene Version lautet: \u201eAntisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von J\u00fcdinnen*Juden, die sich als Hass gegen\u00fcber J\u00fcdinnen*Juden ausdr\u00fccken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen j\u00fcdische oder nicht j\u00fcdische Einzelpersonen und\/oder deren Eigentum sowie gegen j\u00fcdische Gemeindeinstitutionen oder religi\u00f6se Einrichtungen. Um die IHRA bei ihrer Arbeit zu leiten, k\u00f6nnen die folgenden Beispiele zur Veranschaulichung dienen: Dar\u00fcber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als j\u00fcdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein. Kritik, \u00e4hnlich der gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern, kann hingegen nicht als antisemitisch eingestuft werden.\u201c Die die IHRA Arbeitsdefinition umfasst dementsprechend elf Beispiele, die es Praktiker*innen erm\u00f6glichen sollen, auszuloten, wann es sich um Antisemitismus handelt. <strong>Als besondere St\u00e4rken dieser Definition sind vier Aspekte zu nennen: <\/strong>1) Antisemitismus als eine bestimmte Form der Wahrnehmung zu fassen, rekurriert auf die Verantwortung der Wahrnehmenden, welche die Welt entsprechend Ihren Auffassungen, (Welt-)Anschauungen und M\u00f6glichkeiten aktiv und selektiv, aber auch unbewusst aneignen. Diese Wahrnehmung kann dementsprechend auch auf antisemitischen Projektionen, Behauptungen oder Unterstellungen basieren, die auf J\u00fcdinnen*Juden \u00fcbertragen werden. 2) Zudem k\u00f6nnen diese Wahrnehmungen auf der Handlungsebene in Wort und Tat ge\u00e4u\u00dfert werden. Damit wird erfasst, dass sich Antisemitismus \u2013 wie auch die Arbeit der RIAS-Meldestellen verdeutlicht \u2013 t\u00e4glich in verletzendem Verhalten, gezielter Sachbesch\u00e4digung und Angriffen bis hin zu extremer Gewalt manifestiert. Wichtig ist, dass auch explizit die verbale Ebene, wie Beleidigungen, Schm\u00e4hungen oder Drohungen angesprochen wird. 3) Zudem werden die Betroffenen von Antisemitismus fokussiert, zu denen j\u00fcdische und nicht-j\u00fcdische Menschen und Institutionen geh\u00f6ren. Das ist vor allem deshalb relevant, weil sich Antisemitismus nicht nur gegen Juden*J\u00fcdinnen, richtet sondern eben auch gegen Personen, Institutionen und gesellschaftliche Bereiche, die als j\u00fcdisch wahrgenommen werden. 4) Und nicht zuletzt erm\u00f6glichen es die elf erl\u00e4uternden Beispiele, die Bestandteil der IHRA Arbeitsdefinition von Antisemitismus sind, israelbezogenen Antisemitismus zu erfassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4979\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate3-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die IHRA Arbeitsdefinition stellt damit eine operative Grundlage dar, um Antisemitismus zu erkennen, zu melden und gegebenenfalls anzuzeigen: So, wenn etwa die Wohnungst\u00fcr j\u00fcdischer Mieter*innen mit Eiern beworfen wird, wie im Mai 2021 in Berlin \u2013 wobei es sich um einen Fall von gezielter Sachbesch\u00e4digung handelt, oder wenn auf einer Demonstration, wie am 15. Mai 2021 in Oldenburg, ein Plakat mit dem Text mitgef\u00fchrt wird: \u201eIsrael trinkt das Blut unserer Kinder aus dem Glas der Vereinten Nationen\u201c. Hierbei handelt es sich um eine D\u00e4monisierung Israels, wobei auf das alte antisemitische Stereotyp der Ritualmordlegenden zur\u00fcckgegriffen wird. Um derartige Formen von Antisemitismus besser erkennen und einordnen zu k\u00f6nnen, hat der Bundesverband RIAS im Auftrag der Europ\u00e4ischen Kommission ein Handbuch zur praktischen Anwendung der IHRA erarbeitet, das die Beispiele erl\u00e4utert und mit antisemitischen Vorf\u00e4llen aus ganz Europa veranschaulicht. Was die IHRA allerdings nicht leisten kann, ist eine theoretische Bestimmung von Antisemitismus oder eine Erfassung des welterkl\u00e4renden Charakters. Eine theoretische Diskussion, ob es sich bei Antisemitismus um eine \u201enegative Leitidee der Moderne\u201c (Salzborn), einen \u201ekulturellen Code\u201c (Volkov), \u201enationale Semantik\u201c (Holz) oder eine \u201epathische Projektion\u201c (Horkheimer\/Adorno) handelt, kann auf dieser Grundlage nicht gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie funktioniert die Meldung eines antisemitischen Vorfalls \u00fcber RIAS und wer kann eine Meldung aufgeben? Welche Hilfe bietet RIAS den Betroffenen dar\u00fcber hinaus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Meldeportal www.report-antisemitism.de, auf dem antisemitische Vorf\u00e4lle aus dem gesamten Bundesgebiet gemeldet werden k\u00f6nnen, ist mehrsprachig und niedrigschwellig. Meldungen k\u00f6nnen von allen Personen erfolgen, die von antisemitischen Vorf\u00e4llen betroffen sind, diese beobachtet oder von diesen mitbekommen haben. H\u00e4ufig \u00fcbernehmen Familienangeh\u00f6rige oder Freund*innen Meldungen f\u00fcr Menschen, die diese emotional oder technisch bedingt nicht selbst aufgeben k\u00f6nnen oder wollen. Neben Meldungen \u00fcber das Online-Formular k\u00f6nnen Meldungen auch telefonisch erfolgen. Auf ihre Meldungen erhalten die Meldenden neben einer Eingangsbest\u00e4tigung durch die Mitarbeiter*innen des Bundesverbandes auch eine Einordnung des Vorfalls und konkrete Nachfragen, die f\u00fcr die Dokumentation relevant sind. RIAS erfasst neben antisemitischen Schmierereien und Stickern im \u00f6ffentlichen Raum, alle Formen von adressierten antisemitischen Beleidigungen von Personen oder Organisationen analog und in den sozialen Netzwerken, \u00dcbergriffe und gezielte Sachbesch\u00e4digung. Neben der Erfassung der Vorf\u00e4lle bieten wir eine Verweisberatung an, das hei\u00dft wir vermitteln bei Bedarf niedrigschwellige kostenfreie fachspezifische Beratungsangebote an Betroffene. Bei den entsprechenden Stellen kann je nach Bedarf psychologische Unterst\u00fctzung, Hilfe beim Erstellen einer Anzeige oder anwaltliche Beratung in Anspruch genommen werden. Meldungen aus jenen Regionen, in denen noch keine Meldestellen existieren, die nach dem RIAS-Ansatz arbeiten, werden durch den Bundesverband RIAS selbst bearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht immer sind gemeldete Vorf\u00e4lle auch strafrechtlich relevant \u2013 warum ist es dennoch wichtig, nicht strafrechtlich relevante Vorf\u00e4lle zu melden und welche Art von Vorf\u00e4llen f\u00e4llt darunter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Darauf bin ich insofern bereits eingegangen, als sich dieses Anliegen mit der Zielsetzung von RIAS trifft, auch nicht-strafbare Vorf\u00e4lle zu erfassen, um das Dunkelfeld von Antisemitismus zu erhellen und sichtbar zu machen, in welchem Ausma\u00df Antisemitismus den Alltag von J\u00fcdinnen*Juden strukturiert. Damit zielt RIAS auf zwei Problembereiche ab: Einerseits steht die Wahrnehmung der Betroffenen im Mittelpunkt, da auch Vorf\u00e4lle erfasst werden, die f\u00fcr Betroffene verletzend waren, aber unterhalb der Strafbarkeitsgrenze liegen. Dazu geh\u00f6ren bspw. Formen von verletzendem Verhalten, wenn J\u00fcdinnen*Juden oder das Judentum insgesamt als fremd oder nicht zugeh\u00f6rig zu einer bestimmten Gruppe beschrieben werden. Oder wenn j\u00fcdische Menschen ungefragt mit antisemitischen Verschw\u00f6rungstheorien konfrontiert werden, bspw. in einem Corona-Testzentrum, auf einer Taxifahrt oder im Freund*innenkreis. Durch diese Form der Erfassung wird die Wahrnehmung von Betroffenen zudem zu einer wichtigen Informationsquelle in Bezug auf die Frage nach der gesellschaftlichen Verbreitung von Antisemitismus, jenseits der polizeilichen Erfassung antisemitischer Straftaten. Zugleich bieten die RIAS-Meldestellen, zweitens, einen Anlaufpunkt f\u00fcr alle jene, die auch strafbare Delikte nicht bei der Polizei melden wollen, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, entweder weil die ermittelnden Beamt*innen Antisemitismus nicht erkannt haben oder einordnen konnten bzw. wollten oder weil sie selbst diskriminierend bzw. antisemitisch reagiert haben. Diese Problemkonstellation ist auch in den von RIAS erstellten Problembeschreibungen enthalten. Zu den Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten der Meldenden durch RIAS kann daher auch geh\u00f6ren, diese beim Stellen von Anzeigen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4980\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel_Zitate4-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Im Juni wurde der aktuelle Jahresbericht \u00fcber antisemitische Vorf\u00e4lle in Deutschland 2020 ver\u00f6ffentlicht \u2013 er verzeichnet mit 1909 antisemitischen Vorf\u00e4llen 450 mehr als noch 2019. Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Jahresbericht ziehen und wie kann der deutliche Anstieg an Vorf\u00e4llen erkl\u00e4rt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfassungszeitraum 2020 war ab Mitte M\u00e4rz von der Covid-19-Pandemie und den Ma\u00dfnahmen zu ihrer Eind\u00e4mmung bestimmt. Einerseits verlagerte sich das gesellschaftliche Leben \u2013 insbesondere w\u00e4hrend der Lockdowns &#8211; zu gro\u00dfen Teilen in die Sozialen Medien. Zugleich begannen die Proteste gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie, in deren Kontext es zu zahlreichen antisemitischen Vorf\u00e4llen kam. Insbesondere Shoah-relativierende Vorf\u00e4lle, wie das Tragen von gelben Sternen (sogenannten \u201aJudensternen\u2018), zum Teil mit dem Schriftzug \u201eungeimpft\u201d versehen, durch sogenannte Ma\u00dfnahmengegner*innen spielten ab Mai 2020 eine zentrale Rolle. Durch diese Selbstinszenierung als Opfer findet dabei nicht nur eine T\u00e4ter-Opfer Umkehr statt, angesichts dessen, dass es sich bei der deutschen Mehrheitsgesellschaft um Nachfahren der T\u00e4ter*innen und Zuschauer*innen handelt. Die Protestierenden verharmlosen zudem die Shoah, in dem sie sich auf eine Stufe mit den im Nationalsozialismus verfolgten J\u00fcdinnen*Juden stellen. Seit das Tragen gelber Sterne zum Teil direkt vor Ort zur Aufnahme der Personalien f\u00fchrt, beobachtet RIAS vermehrt neue Chiffren: Dazu geh\u00f6ren unter anderem gelbe oder wei\u00dfe Armbinden mit der Aufschrift \u201eungeimpft\u201c (vgl. den aktuellen Monitoring Bericht von RIAS). Das bedeutet zugleich, dass uns diese Form des Post-Shoah-Antisemitismus seit Beginn der Pandemie kontinuierlich begleitet. Die zweith\u00e4ufigste Erscheinungsform von Antisemitismus war 2020 moderner Antisemitismus: Eine Analyse der Daten und Beobachtungen in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern legt nahe, dass es sich dabei mehrheitlich um antisemitische Verschw\u00f6rungsmythen handelte, die auf die Covid-19-Pandemie projiziert wurden. In diesen Zusammenh\u00e4ngen wurden (vermeintliche) J\u00fcdinnen*Juden sowohl als Urheber*innen als auch als Profiteur*innen der Pandemie diffamiert. RIAS erfasst derartige Vorf\u00e4lle auf Versammlungen als verletzendes Verhalten, bei dieser Kategorie wurde 2020 in allen Bundesl\u00e4ndern eine steigende Anzahl an Vorf\u00e4llen erfasst (im Vergleich zu 2019). Der \u201eAnstieg\u201c kann aber auch mit dem wachsenden Bekanntheitsgrad der jeweiligen Meldestellen in den Bundesl\u00e4ndern zu tun haben und dementsprechend Ausdruck einer h\u00f6heren Sensibilisierung und eines wachsenden Vertrauens in die bestehenden Meldeangebote sein.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hatte und hat die derzeitige Pandemiesituation dabei einen Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit und Art der gemeldeten Vorf\u00e4lle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst war ab dem 17. M\u00e4rz des Jahres 2020 in den ersten beiden Monaten der Pandemie, also vor allem w\u00e4hrend des ersten Lockdowns, ein R\u00fcckgang der Meldungen zu verzeichnen. Das h\u00e4ngt zum einen damit zusammen, dass unter anderem Caf\u00e9s, Kneipen und Restaurants, aber auch Konzerthallen und Fu\u00dfballstadien geschlossen und die Nutzung des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs deutlich eingeschr\u00e4nkt war. Dementsprechend kam es in diesen \u00f6ffentlichen R\u00e4umen auch zu weniger Vorf\u00e4llen. Im Internet blieb das Ausma\u00df der Meldungen hingegen konstant. Zum anderen war auch die zivilgesellschaftliche Arbeit von den Kontaktbeschr\u00e4nkungen betroffen: Die Verbindung und Pflege des Meldenetzwerks und der vertrauensvolle Umgang mit Betroffenen und J\u00fcdischen Communities waren stark eingeschr\u00e4nkt. Vermutlich haben die regionalen Meldestellen und der Bundesverband deshalb weniger Meldungen erhalten, als zu anderen Zeiten und damit auch weniger antisemitische Vorf\u00e4lle erfassen k\u00f6nnen. Eine deutliche Zunahme antisemitischer Vorf\u00e4lle ab Mai geht dann, wie bereits erw\u00e4hnt, auf die verschw\u00f6rungsideologisch besetzten rechtsoffenen Proteste gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Covid-19-Pandemie zur\u00fcck. RIAS bezeichnet solche gesellschaftlichen Zuspitzungen als Gelegenheitsstrukturen, welche von zahlreichen Leuten als M\u00f6glichkeit genutzt werden, sich antisemitisch zu \u00e4u\u00dfern bzw. zu verhalten. Auch wenn die Proteste bundesweit stattfanden, konnte durch das Bestehen regionaler Ansprechpartner*innen und die daraus resultierende Erfassung durch das Monitoring der Meldestellen in Brandenburg und Bayern in diesen Bundesl\u00e4ndern eine deutliche H\u00e4ufung antisemitischer Vorf\u00e4lle sichtbar gemacht werden. Die Mobilisierung diverser regionaler Gruppen aus diesem Milieu nach Berlin im August erkl\u00e4rt den dortigen Jahresh\u00f6chstwert. Ein neuerlicher Anstieg antisemitischer Vorf\u00e4lle, wenn auch geringer als im Fr\u00fchsommer, war anl\u00e4sslich des zweiten (Teil-)Lockdowns im November zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5008\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto_1700_Jahre_RIAS_Kinzel5-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht die Situation in Rheinland-Pfalz aus und wie hat sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2020 haben wir als Bundesverband 21 antisemitische Vorf\u00e4lle in Rheinland-Pfalz erfasst, von denen 17 unter anderem dem Post-Shoah-Antisemitismus zugeordnet werden konnten. Einige dieser Vorf\u00e4lle spielten sich im Rahmen von Versammlungen ab, die sich gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Covid-19-Pandemie richteten und\/oder aus dem rechten Spektrum organisiert wurden. Es kam aber auch zu gezielter Sachbesch\u00e4digung an Orten der Erinnerung und auf j\u00fcdischen Friedh\u00f6fen. Im September und November wurden Besch\u00e4digungen der Hinweisschilder des Wanderwegs \u201eJ\u00fcdische Kultur\u201d [in Steinbach am Glan] gemeldet, unter anderem mit NS-Symbolen. Der Rundwanderweg f\u00fchrt an f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Kultur bedeutsamen St\u00e4tten und Geb\u00e4uden vorbei. Aus Koblenz wurden uns zudem mehrere antisemitische Schmierereien gemeldet, die wir als verletzendes Verhalten erfasst haben, unter anderem \u201eJuden unerw\u00fcnscht\u201d an einer Hauswand und die Ver\u00e4nderung eines Stra\u00dfenschilds zu \u201eJudengasse\u201d. Die vorl\u00e4ufigen Zahlen f\u00fcr 2021 ergeben ein \u00e4hnliches Bild mit einer h\u00f6heren Anzahl von Vorf\u00e4llen des israelbezogenen Antisemitismus vor allem im Mai des letzten Jahres angesichts der milit\u00e4rischen Eskalation zwischen der Hamas und Israel. Da wir in Rheinland-Pfalz noch keine RIAS-Meldestelle haben, die monothematisch antisemitische Vorf\u00e4lle erfasst, ist die Erfassung bislang l\u00fcckenhaft. Vorf\u00e4lle werden derzeit vom Bundesverband RIAS und der Mobilen Beratung f\u00fcr Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Rheinland-Pfalz (m*power) erfasst. Die Zahlen und Erkenntnisse sollen zuk\u00fcnftig abgeglichen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>RIAS leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation der Vorf\u00e4lle, sondern auch zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber Antisemitismus. Wie vermitteln Sie Ihre Arbeit und das Meldeangebot in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 beispielsweise \u00fcber Ihre Social Media Kan\u00e4le?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment arbeiten wir an einem Social-Media-Konzept, um die Pr\u00e4senz von RIAS auf Facebook, Instagram und Twitter zu verbessern und zu erweitern. Auf diesen Social-Media-Kan\u00e4len wird ein kleiner Anteil der gemeldeten Vorf\u00e4lle anonymisiert ver\u00f6ffentlicht, wenn die Betroffenen zustimmen. Zudem ver\u00f6ffentlichen wir Beitr\u00e4ge in wissenschaftlichen und p\u00e4dagogischen Medien und auf Plattformen. F\u00fcr dieses Jahr haben wir Interviews mit \u00dcberlebenden der Schoa geplant, die wir als Meldeaufrufe auf Social-Media posten wollen, wo sie zugleich auf l\u00e4ngere Beitr\u00e4ge verweisen, die wir auch f\u00fcr die Bildungsarbeit nutzen werden. Derzeit erarbeiten wir Konzepte f\u00fcr die Nutzung von Vorf\u00e4llen in der Vermittlungsarbeit u.a. in Form von Grafischen Darstellungen. \u00dcber das Kompetenznetzwerk Antisemitismus (https:\/\/kompetenznetzwerk-antisemitismus.de\/) sind wir zudem mit anderen durch Demokratie Leben! gef\u00f6rderten Projekten, wie dem Anne Frank Zentrum, vernetzt, die \u00fcber Erfahrung im Bereich der Antisemitismus kritischen Bildung und Pr\u00e4ventionsarbeit verf\u00fcgen bzw. in der Dokumentation, Beratung und Analyse von antisemitischen Vorf\u00e4llen t\u00e4tig sind. Auf Fachforen werden neue Erkenntnisse bzw. Analysen, Ans\u00e4tze sowie Methoden der Bildungsarbeit einem Fachpublikum vor und zur Diskussion gestellt. Die erhobenen Daten werden nicht zuletzt in den von Ihnen bereits angesprochenen Jahresberichten ausgewertet und der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundesweit nehmen antisemitische Vorf\u00e4lle zu, antisemitische Verschw\u00f6rungsmythen und Feindbilder scheinen in vielen Teilen der Gesellschaft weit verbreitet zu sein. Was muss auf politischer und gesellschaftlicher Ebene passieren, um dem entgegenzuwirken?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mantra-m\u00e4\u00dfig wird nach jedem ver\u00fcbten oder vereiteltem antisemitischen Anschlag oder antisemitischen Vorfall, der es in die Leitartikel schafft, von Politiker*innen jeder Couleur wiederholt: \u201eAntisemitismus hat in Deutschland keinen Platz.\u201c Was wir beobachten, ist jedoch das genaue Gegenteil: Antisemitismus hat Platz auf der Stra\u00dfe, bei jeder Kundgebung gegen die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Covid-19-Pandemie in Form von Shoah-relativierenden \u00c4u\u00dferungen oder bei den Demonstrationen vor dem Hintergrund der Eskalation des milit\u00e4rischen Konfliktes zwischen Israel und der Hamas im Mai vergangenen Jahres in Form von israelbezogenem Antisemitismus oder antisemitischem Othering. Antisemitismus ist sehr pr\u00e4sent, wenn Strafverfolgungsbeh\u00f6rden nicht reagieren, wenn auf der Stra\u00dfe \u201eSchei\u00df Juden\u201c geschrien wird, wie in Gelsenkirchen im Mai 2021 oder nur z\u00f6gerlich reagieren, wenn sich sogenannte Gegner*innen der Corona-Ma\u00dfnahmen als J\u00fcdinnen*Juden von heute darstellen und gelbe Sterne anheften. Aber Antisemitismus hat auch Platz in der Politik in Form von antisemitischen \u00c4u\u00dferungen von AfD-Mitgliedern oder dem ehemaligen Leiter des Verfassungsschutz, Hans Georg Maa\u00dfen, der Chiffren wie \u201eGlobalisten\u201c nutzte, die an Begriffe und Erkl\u00e4rungsmodelle anschlussf\u00e4hig sind, die vor allem im rechten und verschw\u00f6rungsideologischen Kontext als antisemitische Codes zur Feindbildbestimmung fungieren. Und er hat Platz im Alltag, in Form von gezielter Sachbesch\u00e4digung, wenn bspw. die Wohnungsumfeld von j\u00fcdischen Familien markiert wird, wenn J\u00fcdinnen*Juden in der U-Bahn antisemitisch beleidigt oder angegriffen werden, etwa weil sie eine Kippa oder eine Davidstern-Kette tragen oder in sozialen Netzwerken gehatet werden, weil sie j\u00fcdisch sind. Antisemitismus hat nicht zuletzt Platz in medialen Debatten, wie bspw. aktuell in der Diskussion um die Documenta. Die Frage ist also nicht, ob er Platz hat, sondern was gegen die allumfassende Pr\u00e4senz von Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Ph\u00e4nomen, das anlassbezogen zum Ausdruck kommt, getan wird!<br><br>Betroffene wie auch zivilgesellschaftliche Institutionen stellen seit Jahren die Frage: Wie lange sollen wir noch warten bis den Worten auch Taten folgen? Das betrifft alle Ebenen und w\u00e4re gegeben, wenn Polizei einschreitet, statt zuzuschauen, Justiz Antisemitismus erkennt und verurteilt, Synagogen ausreichend gesch\u00fctzt werden, Betroffene im Alltag von Zeug*innen unterst\u00fctzt anstatt alleine gelassen werden, ausreichend Wissen vorhanden ist, um Antisemitismus jenseits der Strafbarkeit zu erkennen und antisemitischen Positionen bspw. im Kulturbetrieb kein Forum geboten wird. Um es in den Worten von Charlotte Knobloch anl\u00e4sslich der Best\u00e4tigung des BDS-Urteils des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom November 2020 durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Januar 2022 zu sagen, demzufolge die Landeshauptstadt M\u00fcnchen entgegen einem Stadtratsbeschluss ihre R\u00e4umlichkeiten auch f\u00fcr Veranstaltungen mit BDS-Bezug zur Verf\u00fcgung stellen muss: \u201eAn guten Worten aus Politik und Justiz fehlt es nicht. Nur die Taten bleiben aus, und am Ende stehen wir allein da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\">Der Bundesverband RIAS e.V. verfolgt das Ziel, mithilfe des \u2192<strong><a href=\"http:\/\/www.report-antisemitism.de\">Meldeportals&nbsp;<\/a><\/strong>bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Erfassung und Dokumentation antisemitischer Vorf\u00e4lle zu gew\u00e4hrleisten. Betroffene oder Zeug*innen antisemitischer Vorf\u00e4lle k\u00f6nnen diese \u00fcber eine \u2192<strong><a href=\"https:\/\/report-antisemitism.de\/report\">Onlinemaske<\/a><\/strong> jederzeit melden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"989\" height=\"192\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4135\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg 989w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-300x58.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-768x149.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-150x29.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 989px) 100vw, 989px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Seit 2021 ist Dr. Tanja Kinzel als Referentin f\u00fcr Bildung beim Bundesverband RIAS e.V. t\u00e4tig. Wir sprachen mit ihr \u00fcber die Zielsetzung und Arbeitsweise von RIAS e.V. \u2013 aber auch \u00fcber die zunehmenden Meldungen antisemitischer Vorf\u00e4lle w\u00e4hrend der Pandemie und \u00fcber die Notwendigkeit, diese bundesweit zu dokumentieren. Interview: Janika&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/rias-kinzel\/\"><span>Weiterlesen<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":3970,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"episode_type":"","audio_file":"","podmotor_file_id":"","podmotor_episode_id":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","filesize_raw":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","ngg_post_thumbnail":0,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-4943","page","type-page","status-publish","hentry"],"ticketed":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4943","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4943"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4943\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5249,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4943\/revisions\/5249"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4943"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}