{"id":4130,"date":"2021-08-17T10:13:00","date_gmt":"2021-08-17T08:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=4130"},"modified":"2022-03-18T13:00:39","modified_gmt":"2022-03-18T12:00:39","slug":"emilia-taran","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/emilia-taran\/","title":{"rendered":"Emilia Taran"},"content":{"rendered":"\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit \u00fcber vier Jahren engagiert sich Emilia Taran ehrenamtlich im Begegnungsprojekt \u201eMeet a Jew\u201d, das aus dem Zusammenschluss der beiden Projekte \u201eLikrat \u2013 Jugend &amp; Dialog\u201d und \u201eRent a Jew\u201c erfolgt ist. Durch pers\u00f6nliche Begegnungen m\u00f6chte sie \u00fcber j\u00fcdisches Leben informieren, mit anderen ins Gespr\u00e4ch kommen und so auch Vorurteilen und Stereotypen vorbeugen. Wir sprachen mit ihr \u00fcber ihr langj\u00e4hriges Engagement, den Stellenwert von Begegnungsprojekten und dar\u00fcber, was es f\u00fcr sie pers\u00f6nlich bedeutet, \u201ej\u00fcdisch\u201d zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Interview: Janika Schiffel | Juli 2021<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4153 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Neu2-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-white-color has-text-color\"><strong>Zur Person<\/strong><br>Emilia Taran ist 21 Jahre alt und studiert Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Migration und Integration in Mainz. Sie ist im Herzen Israels, in einer Stadt zehn Minuten von Tel Aviv entfernt, geboren. Dort lebte sie zwei Jahre, bevor sie mit ihren Eltern nach Trier zog.  Emilia Taran ist selbst \u201emit dem j\u00fcdischen Leben aufgewachsen\u201d: Angefangen mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Besuch in der j\u00fcdischen Gemeinde mit einem Jugendzentrum, Religionsunterricht und Gottesdiensten bis hin zum Engagement in vielen j\u00fcdischen Einrichtungen und Projekten. So ist sie beispielsweise auch bereits seit vielen Jahren im Projekt \u201eMeet a Jew\u201d aktiv.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><sup>Foto: privat<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie selbst engagieren sich ehrenamtlich bei \u201eMeet a Jew\u201c, einem Begegnungsprojekt des Zentralrats der Juden, das 2020 aus den Projekten \u201eRent a Jew\u201c und \u201eLikrat\u201d hervorgegangen ist. Welche Idee steht hinter \u201eMeet a Jew\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMiteinander statt \u00fcbereinander\u201d ist das Motto von \u201eMeet a Jew\u201d. Denn im direkten Austausch ist es viel leichter, gegenseitiges Verst\u00e4ndnis zu erlangen und individuelle Perspektiven und Ansichten auszutauschen. Leider ist es in Deutschland mit nur 0,12 Prozent Anteil von J\u00fcdinnen und Juden rein rechnerisch schwierig, mit Menschen j\u00fcdischen Glaubens im Alltag bewusst in Kontakt zu treten. Umso wichtiger ist es, Begegnungen zu organisieren, um sich auszutauschen und miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Das ist es auch, was \u201eMeet a Jew\u201d erreichen m\u00f6chte. Damit m\u00f6chten wir das aktuelle j\u00fcdische Leben in Deutschland und unseren pers\u00f6nlichen Alltag zeigen. Mit unserer Vielfalt, dem Bezug zur Gegenwart und den individuellen Einblicken im Gegensatz zu Geschichtsb\u00fcchern und Wikipedia-Artikeln. Die Freiwilligen von \u201eMeet a Jew\u201d sind da, um \u00fcber ihr pers\u00f6nliches Judentum zu sprechen. Egal, ob man religi\u00f6s ist oder nicht, orthodox oder liberal. Nur so gelingt es, das oft abstrakte Bild von \u201aden Juden\u2018 in unserer Gesellschaft aufzubrechen und eine Vielzahl von authentischen j\u00fcdischen Gesichtern und Perspektiven kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seit vier Jahren engagieren Sie sich schon bei \u201eMeet a Jew\u201d. Wie sind Sie dazu gekommen und welche Bedeutung hat Ihr Engagement f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin auf das Projekt im Jahre 2017 auf dem gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen Tanz- und Singwettbewerb Europas namens \u201eJewrovision\u201d aufmerksam geworden. In unserem Hotel war ein Stand, wo man sich informieren konnte. Ich habe nicht lange gez\u00f6gert und mich sofort vor Ort angemeldet. Ein derartiger Dialog hat mich sehr fasziniert. Denn es ist f\u00fcr mich wichtiger denn je, der Gesellschaft in Deutschland das aktuelle j\u00fcdische Leben von Angesicht zu Angesicht n\u00e4herzubringen. Ein Gro\u00dfteil kennt J\u00fcdinnen und Juden wirklich bewusst nur aus Geschichtsb\u00fcchern oder in Verbindung mit dem Nationalsozialismus. Das ist zwar auch ein Teil der j\u00fcdischen Identit\u00e4t, der nicht vergessen werden sollte, doch der restliche Teil ist nur Wenigen bekannt und nicht selten durch Vorurteile gepr\u00e4gt. Gemeinsam mit \u201eMeet a Jew\u201d ist es mir wichtig, vorhandene Vorurteile abzubauen und, noch besser, sie erst nicht aufkommen zu lassen. Das funktioniert nur, wenn man miteinander statt \u00fcbereinander spricht \u2013 so ja auch das Motto von \u201eMeet a Jew\u201d. Durch einen Austausch schaffen wir es, uns besser in die Lage des jeweils anderen hineinzuversetzen und gegenseitiges Verst\u00e4ndnis zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1007\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-1007x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4522\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-1007x1024.jpg 1007w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-295x300.jpg 295w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-768x781.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-1510x1536.jpg 1510w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-2013x2048.jpg 2013w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-2-1-147x150.jpg 147w\" sizes=\"auto, (max-width: 1007px) 100vw, 1007px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht eine Begegnung \u00fcber \u201eMeet a Jew\u201c typischerweise aus? Gibt es Begegnungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl online als auch in Pr\u00e4senz habe ich bereits an vielen Begegnungen teilgenommen. Eine Begegnung wird immer von zwei Freiwilligen durchgef\u00fchrt. Diese Begegnungen k\u00f6nnen in einem Verein, einer Schulklasse, einer Universit\u00e4t oder in anderen Institutionen und unterschiedlichen Altersgruppen stattfinden. Vorzugsweise setzen wir uns in einen Stuhlkreis, um ein dynamisches Gespr\u00e4ch auf Augenh\u00f6he f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde beginnen wir mit dem Austausch. Sei es mit Fragen, j\u00fcdischen Speisen oder gar Spielen. Ich erz\u00e4hle zum Beispiel auch, warum ich pers\u00f6nlich keine Salami auf der Pizza oder keinen Cheeseburger esse und was es mit den j\u00fcdischen Speisegesetzen auf sich hat. Au\u00dferdem bringe ich gerne traditionelle Gegenst\u00e4nde oder Geschichten zu bevorstehen Feiertagen mit. Damit k\u00f6nnen wir die j\u00fcdischen Traditionen den Gruppen sehr gut n\u00e4herbringen. Aber auch allgemeine Fragen zu unserem Alltag k\u00f6nnen gerne gestellt werden. Besonders j\u00fcngere Gruppen interessieren sich f\u00fcr Hobbies oder Lieblingsessen. <br>Jede Begegnung ist f\u00fcr mich einzigartig und in jeder lerne ich auf verschiedene Art und Weise etwas dazu. Dementsprechend habe ich alle Begegnungen sch\u00f6n in Erinnerung. Am meisten freut es mich, wenn ich sp\u00fcre, dass wir ein positives Bild hinterlassen haben und die Gruppe Spa\u00df an der Begegnung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es etwas, von dem Sie w\u00e4hrend den Begegnungen besonders gerne berichten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich berichte gerne \u00fcber meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Ansichten. Das kann schon bei der Frage \u201eWas ist dein Lieblingsfeiertag im Judentum?\u201d beginnen. Ich freue mich immer, einen Einblick in meinen Alltag geben zu k\u00f6nnen, weg vom Allgemeinen und n\u00e4her ans Pers\u00f6nliche. Grunds\u00e4tzlich freue ich mich jedoch \u00fcber alle Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine pers\u00f6nliche Begegnung \u00fcber \u201eMeet a Jew\u201c soll auch Vorurteilen und Stereotypen entgegenwirken. Sind Sie selbst in Ihrem Alltag mit Vorurteilen und Antisemitismus konfrontiert? Und Inwiefern thematisieren Sie dies w\u00e4hrend der Begegnungen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig werde ich mit der Aussage konfrontiert \u201eDu siehst ja gar nicht aus, wie eine J\u00fcdin\u201d, woraufhin ich mit der Gegenfrage \u201eWie sieht denn f\u00fcr dich ein Jude aus?\u201d komme. Die meisten wissen nicht, was sie darauf antworten sollen. Der Gro\u00dfteil kennt J\u00fcdinnen und Juden aus Filmen, Geschichtsb\u00fcchern oder von Erz\u00e4hlungen. Sie sehen dann h\u00e4ufig religi\u00f6se M\u00e4nner mit Schl\u00e4fenlocken, H\u00fcten und langen schwarzen M\u00e4nteln. J\u00fcdinnen und Juden, die nicht so dargestellt werden, werden h\u00e4ufig nicht erkannt. Doch das Judentum ist vielf\u00e4ltig und so auch das Aussehen jedes einzelnen Menschen.<br>Auch das Wort \u201aJude\u2018 wird oft traurigerweise als Schimpfwort benutzt. Viele trauen sich deswegen nicht, das Wort in meiner Gegenwart auszusprechen.<br>Antisemitismus ist ein Thema, das mich leider viel besch\u00e4ftigt und ich auch von vielen Seiten erlebe. Als in Israel geborene J\u00fcdin werde ich vor allem mit israelbezogenem Antisemitismus besonders auf Social Media konfrontiert. Doch auch J\u00fcdinnen und Juden, die nicht in Israel geboren sind, bekommen vor allem in letzter Zeit viel davon ab. Das erz\u00e4hle ich auch oft in Begegnungen. Antisemitismus ist kein Tabuthema, das umgangen werden darf. Es muss offen ausgesprochen und beim Namen genannt werden, um Menschen auf das Problem in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass Antisemitismus aus allen Richtungen kommen und deswegen nur gemeinsam bek\u00e4mpft werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Initiativen und Projekte wie \u201eMeet a Jew\u201c geben j\u00fcdischem Leben und j\u00fcdischer Kultur ein Gesicht in der \u00d6ffentlichkeit. Dennoch ist die \u00f6ffentliche Wahrnehmung, wie Sie sagen, von j\u00fcdischen Menschen und dem Judentum scheinbar oft vom Nationalsozialismus gepr\u00e4gt. Konnten Sie \u00c4hnliches auch w\u00e4hrend der Begegnungen \u00fcber \u201eMeet a Jew\u201c beobachten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich teile diese Erfahrung absolut und habe selbst schon einige Male dieses \u201eExperiment\u201d mit einigen Gruppen durchgef\u00fchrt. Die meisten Teilnehmer_innen assoziieren mit dem Judentum negative Aspekte aus dem Nationalsozialismus. Es wundert mich allerdings nicht, da es ein Teil unserer Sozialisierung ist. Denn wenn beispielsweise in der Schule etwas \u00fcber das Judentum gelehrt wird, dann fokussiert man sich haupts\u00e4chlich auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Der Nationalsozialismus ist ein wichtiges Thema, welches dringend weiter aufgearbeitet werden muss und auch st\u00e4rker in der Schule gelehrt werden sollte. Gleichzeitig sollten aber auch die verschiedensten Religionen und Kulturen sowie ihre Traditionen, die unsere Gesellschaft heute pr\u00e4gen, um einiges mehr behandelt werden. Dann bin ich mir sicher, dass nicht nur die negativen Assoziationen im Vordergrund stehen. \u201eMeet a Jew\u201d ist daher ein wichtiges Projekt, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1019\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-1019x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4523\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-1019x1024.jpg 1019w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-768x771.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-1529x1536.jpg 1529w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-1-2039x2048.jpg 2039w\" sizes=\"auto, (max-width: 1019px) 100vw, 1019px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>2021 wurde zum Festjahr \u201e1700 Jahre j\u00fcdisches Leben in Deutschland\u201c ausgerufen. Wie denken Sie dar\u00fcber?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1700 Jahre zeigt uns, dass J\u00fcdinnen und Juden schon eigentlich immer ein Teil unserer Gesellschaft waren. Gerne nehme ich, sei es in der J\u00fcdischen Gemeinde oder privat, an Veranstaltungen dazu teil und freue mich, in diesem Rahmen eingeladen zu werden. Au\u00dferdem ist das Judentum mit Deutschland durch eine starke Geschichte verbunden. Denn Deutschland war schon im Mittelalter ein wichtiges Zentrum des j\u00fcdischen Lebens mit ber\u00fchmten j\u00fcdischen Schulen, St\u00e4dten, Rabbinern und Gelehrten, die bis heute das Judentum pr\u00e4gen. Auch die Entstehung des konservativen Judentums fand in Deutschland statt. Daher scheint es, als h\u00e4tte das j\u00fcdische Leben in Deutschland st\u00e4ndig gebl\u00fcht.&nbsp;<br>Blicke ich jedoch mit einer anderen Perspektive in die Vergangenheit und auch in die Gegenwart, sehe ich \u00fcber \u201e1700 Jahre j\u00fcdisches Leben in Deutschland\u201d eine traurige Vergangenheit, die uns bewusst sein muss. Denn auch hier aus Deutschland mussten J\u00fcdinnen und Juden sowohl im Mittelalter als auch im dunkelsten Kapitel der Geschichte, dem Nationalsozialismus, permanent fliehen. Ausgrenzungen und schlechte Behandlung geh\u00f6rten leider zum Alltag. Das Judentum war also schon immer hier, jedoch nie von der Gesellschaft vollst\u00e4ndig akzeptiert. Mit dem deutlich steigenden Antisemitismus von allen Seiten (von Rechts, Links, in Teilen der muslimischen Bev\u00f6lkerung, aber auch in der gesellschaftlichen Mitte usw.) zeigt sich, dass wir das Thema in Deutschland stark aufarbeiten m\u00fcssen. Daher hoffe ich sehr, dass wir w\u00e4hrend des \u201eFestjahres\u201d nicht nur feiern, sondern uns auch erinnern, gedenken und niemals vergessen. Und das nicht nur im Rahmen von \u201e1700 Jahre j\u00fcdisches Leben in Deutschland\u201d, sondern auch danach.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bedeutet \u201eJ\u00fcdisch sein\u201c f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Judentum bedeutet f\u00fcr mich eine unfassbar starke Gemeinschaft, die immer f\u00fcr einen da ist. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart waren wir immer ein Volk, das zusammengehalten hat, auch wenn wir auf der ganzen Welt verteilt sind. Das sieht man auch in den j\u00fcdischen Gemeinden. Einfach eine gro\u00dfe Familie. Wir sind eine Das Judentum bedeutet f\u00fcr mich eine unfassbar starke Gemeinschaft, die immer f\u00fcr einen da ist. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart waren wir immer ein Volk, das zusammengehalten hat, auch wenn wir auf der ganzen Welt verteilt waren. Das sieht man auch in den j\u00fcdischen Gemeinden. Einfach eine gro\u00dfe Familie. Wir sind eine ethnische Gruppe, die ihre Traditionen und Werte von Generation zu Generation weitergibt, egal was komme. Das \u201eJ\u00fcdisch sein\u201d hei\u00dft also f\u00fcr mich auch Verantwortung, ein Schatz, den ich nicht verlieren darf. Ich sage mir immer: \u201eWenn meine Vorfahren es in den schwersten Zeiten geschafft haben, das Judentum weiterzugeben, dann schaffe ich das auch\u201d. Und das mit viel Freude und Leidenschaft, die wir in unseren j\u00fcdischen Gemeinden und in unserem Alltag zeigen. Daher sch\u00e4tze ich das am \u201eJ\u00fcdisch sein\u201d sehr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1019\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-1019x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4524\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-1019x1024.jpg 1019w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-768x771.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-1529x1536.jpg 1529w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Homepage_Zitat-3-2039x2048.jpg 2039w\" sizes=\"auto, (max-width: 1019px) 100vw, 1019px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wann haben Sie begonnen, sich mit Ihrer j\u00fcdischen Identit\u00e4t auseinanderzusetzen und wie leben Sie diese heute?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Eltern sind mit mir schon von klein auf regelm\u00e4\u00dfig in die Gemeinde gegangen. Damals sah ich es als v\u00f6llig normal an, am j\u00fcdischen Leben teilzuhaben und habe es auch nicht wahrgenommen, dass ich eine \u201eandere\u201d Kultur als die anderen hatte. Erst als ich \u00e4lter wurde, habe ich erfahren, dass ich zu einer \u201eMinderheit\u201d in Deutschland geh\u00f6re. Anfangs habe ich durch Erz\u00e4hlungen meiner Eltern und den regelm\u00e4\u00dfigen Besuchen in Gottesdiensten und im Jugendzentrum \u00fcber meine Vorfahren, unsere Geschichte und unsere Traditionen und Werte erfahren. Das alles weckte mein Interesse an meiner j\u00fcdischen Identit\u00e4t immer weiter und ich habe begonnen, mich selbstst\u00e4ndig damit zu besch\u00e4ftigen. So bin ich auch immer bewusster gl\u00e4ubig geworden und habe immer mehr Traditionen, wie zum Beispiel die Speisegesetze (\u201eKashrut\u201d), eingehalten. Heute bezeichne ich mich selbst als traditionell und gl\u00e4ubig. Ich versuchte, so viele Werte wie m\u00f6glich zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie selbst leben seit einiger Zeit in Mainz \u2013 davor waren Sie lange in der Trierer Gemeinde aktiv. Wie unterscheidet sich das j\u00fcdische Leben in den beiden St\u00e4dten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Mainz bin ich mitten in der Corona-Zeit gezogen. Da hat es sich bis jetzt leider noch nicht wirklich ergeben, aktiv am j\u00fcdischen Leben teilzunehmen. Rein faktisch kann ich sagen, dass beide orthodoxen Gemeinden mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden das Judentum in Deutschland in der Geschichte stark pr\u00e4gten. Mainz ist besonders und geh\u00f6rt zu den sogenannten SchUM-St\u00e4dten, die jetzt zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Auch in Trier gab es ein starkes j\u00fcdisches Leben. Pers\u00f6nlich sehe ich die Trierer Gemeinde als meine Familie an. Gemeinsam mit weiteren tollen Menschen, egal ob jung oder alt, bin ich in der Gemeinde aufgewachsen und verbringe immer noch gerne Zeit mit ihnen. Dementsprechend hat die Trierer Gemeinde einen festen Platz in meinem Herzen, den keiner ersetzen kann. Ich bin allerdings der Meinung, dass in jeder j\u00fcdischen Gemeinde das j\u00fcdische Leben etwas Besonderes ist und man es daher nicht vergleichen kann. Letztendlich teilen wir alle dieselben Werte, die uns miteinander verbinden, unabh\u00e4ngig davon, von wo wir kommen.<br>Dabei ist es wichtig, aktiv zu sein. In Mainz habe ich begonnen, das Jugendzentrum als Betreuerin zu besuchen, was mir wahnsinnig Spa\u00df macht und ich hoffe, dass ich mich m\u00f6glichst bald auch hier noch mehr beteiligen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie sich f\u00fcr ein aktives, sichtbares j\u00fcdisches Leben in Mainz w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da ich im Studierendenalter bin, w\u00fcrde ich mich freuen, wenn wir mit Studierenden in einen guten Kontakt treten k\u00f6nnten. Mein Wunsch f\u00fcr ganz Rheinland-Pfalz w\u00e4re es, ein starkes Netzwerk unter j\u00fcdischen Studierenden aufzubauen. So k\u00f6nnten wir unsere Interessen repr\u00e4sentieren, eine j\u00fcdische Stimme entwickeln und das j\u00fcdische Leben in Mainz und Rheinland-Pfalz sichtbarer machen. Ich bin mir sicher, dass wir das Potenzial dazu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\"><strong>Meet a Jew<\/strong><br>\u201eMeet a Jew\u201d ist ein Projekt des Zentralrats der Juden, das Unwissen, Vorbehalten und Vorurteilen durch pers\u00f6nliche Begegnungen entgegenwirkt: \u201eDas aktuelle j\u00fcdische Leben durch in Deutschland lebende j\u00fcdische Menschen kennen lernen, das ist die Idee hinter Meet a Jew. Denn eine pers\u00f6nliche Begegnung bewirkt, was tausend B\u00fccher nicht leisten k\u00f6nnen. Wer J\u00fcdinnen und Juden schon mal pers\u00f6nlich getroffen hat, ist weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Stereotype und Vorurteile und wei\u00df, dass es viel mehr Themen gibt \u00fcber die wir miteinander sprechen k\u00f6nnen als \u00fcber Antisemitismus, die Shoah oder den Nahostkonflikt.\u201d<br><br>Auf der offiziellen <strong><a href=\"https:\/\/www.meetajew.de\/\">Homepage<\/a><\/strong> des Projekts \u201eMeet a Jew\u201d finden Sie weitere Informationen. Hier\u00fcber k\u00f6nnen auch pers\u00f6nliche Begegnungen vereinbart werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"989\" height=\"192\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4135\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg 989w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-300x58.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-768x149.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-150x29.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 989px) 100vw, 989px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Seit \u00fcber vier Jahren engagiert sich Emilia Taran ehrenamtlich im Begegnungsprojekt \u201eMeet a Jew\u201d, das aus dem Zusammenschluss der beiden Projekte \u201eLikrat \u2013 Jugend &amp; Dialog\u201d und \u201eRent a Jew\u201c erfolgt ist. Durch pers\u00f6nliche Begegnungen m\u00f6chte sie \u00fcber j\u00fcdisches Leben informieren, mit anderen ins Gespr\u00e4ch kommen und so auch&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/emilia-taran\/\"><span>Weiterlesen<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":3970,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"episode_type":"","audio_file":"","podmotor_file_id":"","podmotor_episode_id":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","filesize_raw":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","ngg_post_thumbnail":0,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-4130","page","type-page","status-publish","hentry"],"ticketed":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4130"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4130\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4946,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4130\/revisions\/4946"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}