{"id":4035,"date":"2021-08-17T10:46:53","date_gmt":"2021-08-17T08:46:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=4035"},"modified":"2022-03-18T12:59:11","modified_gmt":"2022-03-18T11:59:11","slug":"dieter-burgard","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/dieter-burgard\/","title":{"rendered":"Dieter Burgard"},"content":{"rendered":"\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2018 ist Dieter Burgard Beauftragter der Ministerpr\u00e4sidentin f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Antisemitismusfragen \u2013 und damit bundesweit der erste Beauftragte dieser Art. Wir sprachen mit ihm \u00fcber Antisemitismus in unserer Gesellschaft, aber auch \u00fcber sein Amt als Antisemitismusbeauftragter und sein pers\u00f6nliches Engagement im Bereich der Erinnerungsarbeit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Interview: Dr. Cornelia Dold | Juni 2021<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4114 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Foto-2-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-white-color has-text-color\"><strong>Zur Person<\/strong><br>Der gelernte Bankkaufmann, langj\u00e4hrige Erzieher im Heimbereich und sp\u00e4tere Leiter einer Einrichtung f\u00fcr Menschen mit geistiger Behinderung war zwischen 2001 und 2010 rheinland-pf\u00e4lzischer Landtagsabgeordneter. Zwischen 2010 und 2018 war Dieter Burgard B\u00fcrgerbeauftragter des Landes sowie Beauftragter f\u00fcr die Landespolizei und Beschwerdestelle f\u00fcr die Kinder-und Jugendhilfe. Seit 2018 ist er Beauftragter der Ministerpr\u00e4sidentin f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Antisemitismusfragen. Dar\u00fcber hinaus engagiert er sich bereits seit 1989 ehrenamtlich in der Erinnerungsarbeit, unter anderem als Vorsitzender des F\u00f6rdervereins der Gedenkst\u00e4tte KZ Hinzert sowie als Vorsitzender des Sprecherrates der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz. <br>Dieter Burgard ist Mitglied des Fachbeirates der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung und Mitglied im Stiftungsrat \u201eHaus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz Mainz\u201d.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bewerten Sie als Beauftragter der Ministerpr\u00e4sidentin f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Antisemitismusfragen die aktuelle Diskussion \u00fcber Antisemitismus in Deutschland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>2021 blicken wir auf 1700 Jahre Judentum in Deutschland und Rheinland-Pfalz zur\u00fcck, das ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Von der Antike \u00fcber das Mittelalter bis in die Neuzeit verfestigte sich leider ein meist negatives Bild von J\u00fcdinnen und Juden, aufgeladen durch antij\u00fcdische Mythen und Klischees, was letztlich in den unfassbaren Verbrechen der Nazis gipfelte. Dass j\u00fcdisches Leben nach den Schrecken der Shoa wachsen und wieder zu einem integralen Bestandteil unserer Gesellschaft werden konnte, ist ein gro\u00dfes Geschenk. Alle Deutschen schulden den Opfern der Shoa deshalb nicht nur ein ehrendes Gedenken, sondern auch ein entschlossenes und couragiertes Eintreten gegen Menschenhass, Intoleranz und Ausgrenzung. Daran immer wieder zu erinnern, ist unser aller Verantwortung.<br>Aktuell stelle ich zwar eine h\u00f6here Sensibilit\u00e4t in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr das Thema Antisemitismus fest, gleichwohl nehmen antisemitische Straftaten und Vorf\u00e4lle bundesweit zu. Zwar verzeichnen wir in Rheinland-Pfalz im Bundesvergleich wenige antisemitische Straftaten, trotzdem ist jede Straftat eine zu viel. Die meisten sind rechtsextrem motiviert. Dazu kommen antisemitische Vorf\u00e4lle, die in Statistiken fehlen, da sie nicht zur Anzeige gebracht werden. Zudem findet Antisemitismus immer st\u00e4rker im Internet statt. Antisemitismus zu erkennen, zu benennen und zu begegnen ist Aufgabe von uns allen, denn er ist eine Kampfansage an unsere Grundwerte, die dem Respekt f\u00fcr jeden einzelnen Menschen, die der Achtung und dem Schutz der Menschenw\u00fcrde verpflichtet sind. Es darf niemanden unber\u00fchrt lassen, wenn B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger j\u00fcdischen Glaubens unter uns verunsichert leben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4246\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-3-6-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Krisenzeiten \u2013 wie die derzeitige Corona-Pandemie \u2013 zeigen oftmals wie durch ein Brennglas bestehende gesellschaftliche Probleme. So wurden auch in Deutschland bei Demonstrationen gegen die Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung zur Eind\u00e4mmung der Pandemie antidemokratische, rassistische und antisemitische Stimmen laut. Hat Ihrer Einsch\u00e4tzung nach der Antisemitismus in unserer Gesellschaft zugenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zunahme des Antisemitismus, ob offen oder versteckt, erleben wir leider weltweit und leider auch in Deutschland. In der Corona-Pandemie beobachten wir schockiert, wie sich gef\u00e4hrliches antisemitisches Gedankengut mit Verschw\u00f6rungsmythen vermischt und eine B\u00fchne findet. Gerade bei Demonstrationen gegen die Corona-Ma\u00dfnahmen zeigt sich \u00f6ffentlich ein unverhohlener Antisemitismus. Wer einen so genannten \u201eJudenstern\u201d, ein Foto von Anne Frank oder von Auschwitz auf Corona-Demonstrationen zeigt, der \u00e4u\u00dfert sich antisemitisch, verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten und verh\u00f6hnt die Opfer der Shoa und der NS-Diktatur. Das ist respektlos und nicht hinnehmbar! Selbsternannten Verschw\u00f6rungstheoretikern muss entschieden entgegengetreten und widersprochen werden, damit keine \u00c4ngste und Ressentiments gesch\u00fcrt werden.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><strong>2017 wurden Sie von Ministerpr\u00e4sidentin Malu Dreyer als bundesweit erster Antisemitismusbeauftragter berufen und traten 2018 Ihr Amt offiziell an. Seitdem folgten viele weitere Bundesl\u00e4nder dem rheinland-pf\u00e4lzischen Beispiel und ernannten eigene Antisemitismusbeauftragte. Warum braucht es in Ihren Augen dieses Amt und worin bestehen Ihre Aufgaben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe mich nicht nur als Antisemitismusbeauftragter, sondern auch \u2013 wie es meine Amtsbezeichnung zeigt \u2013 als Beauftragter f\u00fcr j\u00fcdisches Leben. Auch diese Bezeichnung haben andere L\u00e4nder \u00fcbernommen. \u00dcbrigens haben bis auf Bremen nun alle Bundesl\u00e4nder Beauftragte gegen Antisemitismus berufen bzw. werden dies in den kommenden Monaten tun. Solange Polizeistreifen j\u00fcdische Einrichtungen bei uns bewachen m\u00fcssen und immer wieder J\u00fcdinnen und Juden beleidigt, angegriffen und ihre Friedh\u00f6fe und Synagogen gesch\u00e4ndet werden, ist es wichtig, hier klar und entschieden aufzutreten. Wir sch\u00fctzen die Religionsfreiheit, ja auch die Grundwerte unserer Demokratie. Antisemitismus gab es weit vor 1933 und leider auch nach 1945, doch nie wurde so klar ein politisches Zeichen f\u00fcr ein Miteinander in Vielfalt gesetzt, wie in den letzten drei Jahren. Bei Straftaten wird nun genauer hingesehen und das Strafgesetz wurde eindeutiger gegen Judenhetze erg\u00e4nzt. Den j\u00fcdischen Gemeinden bin ich dankbar, dass sie den Dialog und die \u00d6ffentlichkeit mit Projekten wie \u201eLikrat\u201d und \u201eMeet a Jew\u201d suchen.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Sie die ersten Jahre als Antisemitismusbeauftragter in Rheinland-Pfalz kritisch reflektieren: Wie sieht Ihre Bilanz aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismus ist nicht verschwunden, sondern wird in den letzten Jahren erschreckend sichtbarer. Der erneute bundesweite Anstieg antisemitischer Straftaten ist ein trauriger und besch\u00e4mender Rekord. In Rheinland-Pfalz ist die Zahl antisemitischer Straftaten entgegen der bundesweiten Entwicklung in 2020 leicht gesunken. Dieser Trend ist zwar positiv zu bewerten, allerdings bleibt noch viel zu tun. Mit der im Herbst 2020 eingerichteten \u201eMeldestelle f\u00fcr menschenfeindliche, rassistische und antisemitische Vorf\u00e4lle in Rheinland-Pfalz\u201c und dem im Februar 2021 vorgestellten Leitfaden \u201eAntisemitische Straftaten erkennen\u201c der Generalstaatsanwaltschaften Koblenz und Zweibr\u00fccken wurde die Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus in Rheinland-Pfalz deutlich gest\u00e4rkt. Dar\u00fcber hinaus wurde die Demokratiebildung f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Land ausgebaut, Fachtagungen und Seminare finden statt, und die Themen Antisemitismus sowie j\u00fcdisches Leben werden von vielen Akteurinnen und Akteuren ins Land getragen. Als Beauftragter der Ministerpr\u00e4sidentin f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Antisemitismusfragen bin ich Ansprechpartner f\u00fcr Rheinland-Pf\u00e4lzerinnen und Rheinland-Pf\u00e4lzer j\u00fcdischen Glaubens, f\u00fcr Kommunen, Verb\u00e4nde und Vereine sowie f\u00fcr Religionsgemeinschaften, Bildungseinrichtungen und den Landtag. Ich gehe antisemitischen Vorf\u00e4llen nach und stehe im st\u00e4ndigen Austausch mit den j\u00fcdischen Gemeinden und mit den Sicherheitsbeh\u00f6rden. Wichtig war und ist der Austausch mit den Akteuren gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz. In den Jahren 2019 bis 2020 habe ich rund 300 Gespr\u00e4chs-, Besuchs-, Tagungs-, Fortbildungs- und Vortragstermine absolviert. Unter anderem war ich Vortragender in Schulen und Kirchengemeinden, Besucher von j\u00fcdischen Fest- und Gedenktagen und Gespr\u00e4chspartner mit den j\u00fcdischen Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4179\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-2-4-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr eine demokratische, weltoffene und tolerante Gesellschaft ist gerade Pr\u00e4vention ein zentrales Merkmal. Inwiefern tragen Sie mit Ihrem Amt zur Pr\u00e4vention bei und was br\u00e4uchte es aus Ihrer Sicht noch, um Antisemitismus in unserer Gesellschaft entschieden entgegenzutreten und pr\u00e4ventiv gegen Antisemitismus vorzugehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beauftragte bewirken zwar keine Wunder, doch ich sehe in Bildung und Pr\u00e4vention zentrale Schl\u00fcssel zur Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus und Vorurteilen. Viele junge Menschen hatten bislang noch keine Ber\u00fchrungspunkte mit dem Judentum und kennen keine Menschen j\u00fcdischen Glaubens. Ein wichtiger Baustein meiner Arbeit ist deshalb, junge Menschen durch Vortr\u00e4ge und Diskussionsrunden zu sensibilisieren und zu informieren. So konnte ich im Rahmen zweier mehrw\u00f6chiger Lesereisen (2018 und 2020) zu rechter\/rechtsradikaler, antisemitischer Musik an Schulen in Rheinland-Pfalz mit rund 2.400 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in einen Dialog kommen. Dar\u00fcber hinaus war ich in einer Vielzahl von Schulen im Land zu Vortr\u00e4gen und Projektwochen zu Gast. Gemeinsam mit der Bildungsministerin habe ich erreicht, dass der Etat f\u00fcr die Fortbildung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte, f\u00fcr Demokratieerziehung und f\u00fcr Erinnerungskultur in Rheinland-Pfalz stark erh\u00f6ht wurde. Die Lehrpl\u00e4ne werden \u00fcberarbeitet, sodass Besuche von au\u00dferschulischen Lernorten sowie der Sozialkundeunterricht vermehrt angeboten werden. Mir war von Beginn an bewusst, dass die Entfaltung und Sicherheit des j\u00fcdischen Lebens und die Pr\u00e4vention durch Begegnung und Bildung im Verlaufe meiner Amtst\u00e4tigkeit zu wichtigen Arbeitsfeldern werden. Mehr Geld wurde auch in die Sicherheit von j\u00fcdischen Einrichtungen vom Land investiert und das nicht erst seit dem Amoklauf in Halle. Im Juni 2020 erschien unter meiner Beteiligung die Publikation \u201eZivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus Rheinland-Pfalz\u201c der Amadeu Antonio Stiftung. Das Lagebild liefert eine wichtige und notwendige Grundlage zur kritischen Bestandsaufnahme antisemitischer Erscheinungsformen in Rheinland-Pfalz und gibt einen \u00dcberblick, an welchen Stellen die Zivilgesellschaft aktiv werden muss.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><strong>2021 wurde als Festjahr unter dem Motto \u201e1700 Jahre j\u00fcdisches Leben in Deutschland\u201c ausgerufen. Mit einer Vielzahl an Veranstaltungen will man nicht nur das j\u00fcdische Leben in seiner Vielfalt sichtbar machen, sondern zugleich ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Au\u00dferdem wird dar\u00fcber diskutiert, ob der 9. Oktober (Anschlag auf die Synagoge in Halle an der Saale im Jahr 2019) zum Aktionstag f\u00fcr j\u00fcdisches Leben werden soll. Wie sehen Sie die Wirkung solcher \u00f6ffentlicher Veranstaltungen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcdisches Leben und j\u00fcdische Kultur geh\u00f6ren seit 17 Jahrhunderten zu unserem Land. Ich bin sehr froh, dass es in Rheinland-Pfalz zahlreiche Angebote gibt, die dieses Festjahr begleiten. Insgesamt sind es mehr als 70 Veranstaltungen von 30 Projektpartnerinnen und -partnern, die Sie allein in unserer Programmbrosch\u00fcre finden k\u00f6nnen. F\u00fcr uns in Rheinland-Pfalz ist dieses Festjahr umso bedeutender, da in diesem Jahr die Entscheidung \u00fcber die Aufnahme der SchUM-St\u00e4dte Speyer, Worms und Mainz in das UNESCO-Weltkulturerbe getroffen wird. Wir schauen in diesem Jahr auf das Auf und Ab, die hellen und die dunklen Zeiten. Mit dem 27. Januar haben wir einen Gedenktag, der an alle Opfergruppen der NS-Diktatur erinnert und die Shoa im Besonderen in den Fokus stellt. Und mit dem 9. November erinnern wir an die schrecklichen Novemberpogrome. Der 9. Oktober wiederum steht zum einen f\u00fcr den Terroranschlag auf die Synagoge in Halle, zum anderen auch f\u00fcr zwei Tote und zwei Schwerverletzte, die nicht der j\u00fcdischen Gemeinde angeh\u00f6rten. Mein Fazit: Es ist gut und wichtig, dass es zwei bedeutende Gedenktage und viele weitere wichtige Tage der Erinnerung gibt, dazu geh\u00f6rt auch der 9. Oktober oder die Tage der Deportationen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4180\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Homepage_Zitat-1-4-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Neben ihrem Amt als Antisemitismusbeauftragter sind Sie auch noch Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz. Welche Erwartungen haben Sie an die Erinnerungsarbeit in unserem Land und welche Rolle kann sie Ihrer Meinung nach bei der Pr\u00e4vention gegen Antisemitismus spielen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Landesweit sind viele engagierte Menschen unterwegs \u2013 und dies meist tausendfach ehrenamtlich \u2013 die Erinnerung an das Menschheitsverbrechen aufrecht zu halten. Rheinland-Pfalz unterst\u00fctzt dies politisch tatkr\u00e4ftig, will keinen Schlussstrich ziehen. Schwerpunkt ist in den meisten der 78 LAG-Mitglieder die j\u00fcdische Geschichte, so auch an das Landjudentum , das heute noch in rund 400 j\u00fcdischen Friedh\u00f6fen, ehemaligen Synagogen und Bets\u00e4len sichtbar gehalten wird. Begegnungen mit Zeitzeugen werden gepflegt. So gehen diese heute noch zum Beispiel in Schulen. Es sind \u00e4ltere Menschen, die als Kinder verfolgt wurden und auch nun die zweite Generation, die hautnah erlebten, wie traumatisiert die \u00fcberlebenden V\u00e4ter und M\u00fctter waren.<br>Sie alle zeigen auf, wie sich in einer judenfeindlichen Diktatur und einer Gesellschaft Menschenverachtung und Menschenvernichtung entwickeln k\u00f6nnen. Unsere Gesellschaft ist durch Migration vielf\u00e4ltiger geworden und so ist das Thema \u201eV\u00f6lkermord\u201d auch globaler anzulegen, wie auch die Frage der Menschenrechte. Da sind die Akteure in der Erinnerungsarbeit sehr gut aufgestellt, haben zeitgem\u00e4\u00dfe Formen der Ansprache f\u00fcr j\u00fcngerer Menschen entwickelt, so durch Theaterst\u00fccke, Facharbeiten, digitale und k\u00fcnstlerische Projekte.<br>Antisemitismus muss man fr\u00fch, pr\u00e4ventiv und breit angelegt bek\u00e4mpfen, so auch durch Information, Begegnung und aktive Auseinandersetzung. Auch das recht junge \u201eHaus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz Mainz\u201d ist ein sehr gutes Beispiel wie das Erinnern in neuer Form pr\u00e4ventiv ansetzt. Das Schicksal vieler j\u00fcdischer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger wird aufgezeigt, den Besucherinnen und Besuchern nahe gebracht und die Auseinandersetzung mit der Diktatur, den Menschenrechtsverletzungen, der Feindschaft gegen\u00fcber der Demokratie erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#acb4bf\">Aktuelle Meldungen des Antisemitismusbeauftragten Dieter Burgard finden sich auf der offiziellen <a href=\"https:\/\/www.rlp.de\/de\/regierung\/staatskanzlei\/beauftragte-der-landesregierung\/beauftragter-fuer-juedisches-leben-und-antisemitismusfragen\/\"><strong>Homepage<\/strong><\/a> der Staatskanzlei.<br>Allgemeine Informationen zu Antisemitismus sowie einen \u00dcberblick \u00fcber antisemitische Straftaten in Rheinland-Pfalz 2020 sind im <a href=\"https:\/\/mdi.rlp.de\/fileadmin\/isim\/Service\/Dokumente\/Verfassungsschutzbericht_RLP_2020.pdf\"><strong>Verfassungsschutzbericht des Landes<\/strong><\/a> zusammengefasst.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"989\" height=\"192\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4036\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1.jpg 989w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-300x58.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-768x149.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Logo_1700_Jahre_Entwurf1-1-150x29.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 989px) 100vw, 989px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Seit 2018 ist Dieter Burgard Beauftragter der Ministerpr\u00e4sidentin f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Antisemitismusfragen \u2013 und damit bundesweit der erste Beauftragte dieser Art. Wir sprachen mit ihm \u00fcber Antisemitismus in unserer Gesellschaft, aber auch \u00fcber sein Amt als Antisemitismusbeauftragter und sein pers\u00f6nliches Engagement im Bereich der Erinnerungsarbeit. Interview: Dr. Cornelia&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/1700-jahre\/dieter-burgard\/\"><span>Weiterlesen<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":3970,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"episode_type":"","audio_file":"","podmotor_file_id":"","podmotor_episode_id":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","filesize_raw":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","ngg_post_thumbnail":0,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-4035","page","type-page","status-publish","hentry"],"ticketed":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4035"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4035\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4260,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4035\/revisions\/4260"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}