{"id":3141,"date":"2021-01-13T10:37:04","date_gmt":"2021-01-13T09:37:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=3141"},"modified":"2021-01-13T10:45:27","modified_gmt":"2021-01-13T09:45:27","slug":"prof-dr-hans-brugelmann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/das-hde-im-gespraech-mit\/prof-dr-hans-brugelmann\/","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch mit &#8230; Prof. Dr. Hans Br\u00fcgelmann"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Seit \u00fcber 30 Jahren besch\u00e4ftigt sich der Bremer Erziehungswissenschaftler und Reformp\u00e4dagoge Hans Br\u00fcgelmann mit Fragen der Grundschulp\u00e4dagogik und -didaktik. Dabei spielen neben der Unterrichts- und Schulentwicklung immer wieder Fragen der Bildungsgerechtigkeit und der Demokratisierung von Schule und Unterricht eine zentrale Rolle. \u00dcber diese Themen und ihre Ver\u00e4nderung in Zeiten der Corona-Pandemie haben wir mit ihm ein Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><br>Interview: Hans Berkessel | Januar 2021<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile has-very-light-gray-background-color has-background\" style=\"grid-template-columns:33% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3144\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-106x150.jpg 106w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Hans_Bruegelmann_Portraetfoto-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-very-light-gray-background-color has-background has-normal-font-size\"><strong>Zur Person<br><\/strong>Von 1980 bis 2012 Professor f\u00fcr <strong>Grundschulp\u00e4dagogik und -didaktik<\/strong> an den Universit\u00e4ten Bremen und Siegen mit den Schwerpunkten: <strong>Schriftspracherwerb<\/strong> (\u201eKinder auf dem Weg zur Schrift\u201c 1983, 9. Aufl. 2014, und \u201eDie Schrift erfinden\u201c, mit Brinkmann 1998, 3. Aufl. 2016),&nbsp; <strong>Demokratisierung der Schule<\/strong> und <strong>\u00d6ffnung des Unterrichts<\/strong> (\u201e\u00d6ffnung des Anfangsunterrichts\u201c, mit Brinkmann, 2. Aufl. 2009),&nbsp; <strong>Unterrichts- und Schulentwicklung<\/strong> (\u201eSchule verstehen und gestalten\u201c, 2005, und \u201eBildung gegen Spaltung\u201c, mit von der Groeben u. a. 2020) sowie <strong>Forschungs- und Evaluationsmethoden<\/strong> in der P\u00e4dagogik (\u201eVermessene Schulen \u2013 standardisierte Sch\u00fcler\u201c, 2015). Von 2000 bis 2017 Fachreferent f\u00fcr das Fachreferat \u201eQualit\u00e4tsentwicklung\u201c im Grundschulverband e. V., von 2008 bis 2012 Sprecher des Verbunds der Reformschulen \u201eBlick \u00fcber den Zaun\u201c.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Bis 2012 waren Sie als Erziehungswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Grundschulp\u00e4dagogik und -didaktik t\u00e4tig. Was ist Ihre Bilanz? Wie nahe sind Sie Ihrem Motto \u201eSchule verstehen und gestalten\u201c gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es hat mal jemand gesagt, nur die katholische Kirche sei schwerer zu reformieren als die Schule. Und mein englischer Mentor Lawrence Stenhouse meinte: <em>Ein anspruchsvolles p\u00e4dagogisches Projekt sei dann erfolgreich, wenn nach zehn Jahren zehn Prozent der Lehrer*innen es konzeptgerecht umsetzen<\/em>. Daran gemessen waren die inzwischen fast 50 Jahre Reformarbeit seit meiner Zeit als Assistent beim Deutschen&nbsp; Bildungsrat Anfang der 1970er-Jahre nicht erfolglos. Wir haben die Partizipation der Kinder und Jugendlichen in den Schulen gest\u00e4rkt, der Unterricht nimmt mehr R\u00fccksicht auf die Unterschiede zwischen den Sch\u00fcler*innen als fr\u00fcher und ganz konkret: An vielen Orten d\u00fcrfen Kinder von Anfang an freie Texte dar\u00fcber schreiben, was ihnen pers\u00f6nlich wichtig ist; so gut sie k\u00f6nnen. Aber ich habe auch gelernt, dass gute Absichten, kluge Einsichten und&nbsp; durchdachte Vorschl\u00e4ge nicht ausreichen, um die Praxis in der Breite zu entwickeln. Das haben ja auch manche PISA-Gl\u00e4ubigen auf die harte Tour lernen m\u00fcssen. Gute Praxis ist mehr als die Anwendung guter Forschung. Ich sch\u00e4tze die Leistung der Kolleg*innen in den Schulen und den Eigenwert ihrer Kompetenz gegen\u00fcber akademischer Theorie und Empirie heute noch h\u00f6her als schon fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Im Oktober 2017 haben Sie einen Aufruf f\u00fcr einen \u201eBildungsrat f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit\u201c gestartet; was waren und sind Ihre haupts\u00e4chlichen Kritikpunkte am derzeitigen deutschen Bildungssystem?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind ja eine \u201eF\u00fcnfer-Bande\u201c mit ganz unterschiedlichem Hintergrund: Annemarie von der Groeben und Susanne Thurn aus den von Hentig initiierten Bielefelder Schulprojekten, Renate Nietzschmann, fr\u00fchere Leiterin in einer Hamburger Stadtteilschule, Hilbert Meyer, Professor f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik in Oldenburg, und ich. Wir alle engagieren uns seit vielen Jahren f\u00fcr eine Demokratisierung der Schule im doppelten Sinne: St\u00e4rkung der Selbst- und Mitbestimmungsrechte von Kindern und Jugendlichen in der Schule und&nbsp; St\u00e4rkung der Schule als Integrationskraft in der Gesellschaft. \u201eEine Schule f\u00fcr alle\u201c, das bedeutet: endlich Ernstmachen mit dem Recht auf Inklusion, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention schon 2008 rechtlich verbindlich fixiert hat, und das hei\u00dft unter anderem Abschaffung der vielfachen Selektionsmechanismen im System (wie ein Sarkastiker mal gesagt hat: Es gibt nur 16 Schulsysteme auf dieser Erde, in denen die Kinder nach Klasse 4 auf verschiedene Schularten aufgeteilt werden \u2013 und 14 davon liegen in Deutschland*). Und dar\u00fcber hinaus geht es um Ausgleich f\u00fcr sozial bedingte Nachteile, die immer noch viele Sch\u00fcler*innen in unseren Schulen scheitern lassen, weil sie von zu Hause weniger Startkapital mitbekommen haben als andere und auch die KITAs das nicht ausgleichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">* In den Bundesl\u00e4ndern Berlin und Brandenburg gibt es sechsj\u00e4hrige Grundschulen. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3150\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie1-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Wodurch unterscheiden sich Ihre Vorstellungen und Zielsetzungen von denen des im Koalitionsvertrag der Gro\u00dfen Koalition 2018 beschlossenen \u201eNationalen Bildungsrats\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das gro\u00dfe Thema des geplanten Bildungsrats war \u201emehr Vergleichbarkeit\u201c der Abschl\u00fcsse. Als ob man die durch rechtliche Regelungen oder einheitliche Tests erreichen k\u00f6nnte! Oder glaubt wirklich jemand, dass die Anzahl der Stunden f\u00fcr Naturwissenschaften oder Fremdsprachen entscheidend daf\u00fcr sind, wie Sch\u00fcler*innen sich als Pers\u00f6nlichkeiten entwickeln und selbst welches l\u00e4ngerfristig verf\u00fcgbare Wissen und K\u00f6nnen sie aus der Schule mitnehmen? Innerhalb eines jeden Bundeslandes sind solche Eckdaten doch schon heute festgelegt, und trotzdem unterscheiden sich der Unterricht und die Bildungserfahrungen der Sch\u00fcler*innen von Schule zu Schule, ja oft innerhalb derselben Schule zwischen Klassen mit verschiedenen Lehrer*innen dramatisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht die fehlende Vergleichbarkeit der Abschl\u00fcsse ist das zentrale Problem unseres Schulsystems, sondern die Ungleichheit in den Bildungsm\u00f6glichkeiten. Dass diese nicht naturgegeben sind und \u201ewas Politik und P\u00e4dagogik konkret tun k\u00f6nnen\u201c (so der Untertitel unseres Buches \u201eBildung gegen Spaltung\u201c), das treibt uns um. Es geht um \u201epositive Diskrimination\u201c: Wir m\u00fcssen einen Ausgleich&nbsp;schaffen f\u00fcr Schulen, die unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Insofern sehen wir uns als Anw\u00e4lte derjenigen, die sich nicht so gut artikulieren k\u00f6nnen wie unsere akademisch geschulte Mittelschicht und die nicht \u00fcber so viele direkte und indirekte Einflussm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen wie unsere \u00f6konomisch und politisch privilegierte Oberschicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir brauchen einen umfassenderen Reformansatz als die nach PISA 2000 immer wieder geforderten Unterrichtsreformen. Eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder ist Voraussetzung daf\u00fcr, dass sie von den Bildungsangeboten von KITA und Schule \u00fcberhaupt profitieren k\u00f6nnen. Daf\u00fcr brauchen wir eine konzertierte Aktion von Familien- und Sozialpolitik, von Stadtentwicklung und Wohnungsbau, von Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik. KITA und Schule allein sind da \u00fcberfordert.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Sie berufen sich an einigen Stellen auf die \u201eKinderkommission des Deutschen Bundestages\u201c; k\u00f6nnen Sie deren Befunde\/Erkenntnisse etwas n\u00e4her erl\u00e4utern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das zentrale Thema des Berichts sind die Kinderarmut,&nbsp;ihre regionale Verteilung und vor allem ihre Folgen f\u00fcr die Betroffenen. Das f\u00e4ngt an bei materiellen Nachteilen und ihren sozialen Nebenwirkungen, betrifft aber auch die Gesundheit der Kinder und vor allem ihre schlechteren Bildungschancen. Ihre Teilhabe an Bildungsm\u00f6glichkeiten ist auf allen Stufen im System eingeschr\u00e4nkt: Das beginnt beim Vorlesen und Spielen in der Familie, setzt sich fort mit den geringeren Anregungen in Gruppen mit anderen ebenfalls sozial benachteiligten Kindern in der KITA und zeigt sich erneut in geringerer Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend der Schulzeit, sei es bei den Hausaufgaben, bei zus\u00e4tzlicher Nachhilfe oder dem Zugang zu kulturellen Bildungsm\u00f6glichkeiten \u2013 vor allem aber in der anderen Qualit\u00e4t der informellen Erfahrungen in der Freizeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3164\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie2-3.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Wo besteht nach Ihrer Auffassung der dringendste Reformbedarf, und was sind die notwendigen ersten Schritte f\u00fcr eine grundlegende Ver\u00e4nderung unseres Bildungssystems? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ja schon den breiteren Reformansatz genannt, der Bildungspolitik mit anderen Ma\u00dfnahmen enger verzahnt, und auch die Notwendigkeit der \u201eeinen Schule f\u00fcr alle\u201c \u2013 aber nicht als gleichmacherisches Einheitsprogramm, sondern als gemeinsamer Raum f\u00fcr ein Lernen im eigenen Takt, also im Austausch der unterschiedlichen Erfahrungen untereinander. Denn Strukturreformen wie eine l\u00e4ngere gemeinsame Schulzeit allein reichen nicht. Aber sie sind die Voraussetzung daf\u00fcr, dass p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen wirksam werden k\u00f6nnen. Eine selektionsorientierte Leistungsbeurteilung durch Noten, die an Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen dieselben Erwartungen zu gleichen Terminen stellt, ist nicht nur unfair, sondern verhindert, dass sie erfolgreich lernen k\u00f6nnen. Denn das setzt voraus, dass jedes Kind seinen individuell passenden n\u00e4chsten Schritt tun kann. Den kann nicht die Lehrperson f\u00fcr jedes Kind individuell steuern, aber sie kann einen Rahmen schaffen, in dem die Sch\u00fcler*innen selbst ihre Aufgaben aus einem sinnvollen Angebot w\u00e4hlen \u2013 beraten und unterst\u00fctzt von den Lehrer*innen und im Austausch mit ihren Mitsch\u00fcler*innen. Das verstehen wir unter einer \u201e\u00d6ffnung des Unterrichts\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Hat sich die Situation durch die Corona-Pandemie aus Ihrer Sicht noch einmal ver\u00e4ndert oder versch\u00e4rft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die Schulschlie\u00dfungen haben gezeigt, wie wichtig Schule als sozialer Raum f\u00fcr alle Kinder ist. In fachlicher Hinsicht leiden besonders die Kinder, die zu Hause keinen ruhigen Arbeitsplatz, keine verl\u00e4ssliche Tagesstruktur, kein volles B\u00fccherregal, schnellen Internetanschluss und keine \u201eErsatzlehrer*innen\u201c als Eltern haben. Insofern hat Corona wie durch ein Brennglas gezeigt, wie tief die Probleme unseres Bildungssystems sitzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3152\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie3-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Skizzieren Sie bitte kurz die Unterst\u00fctzungsstrukturen und den Kreis der Mitstreiter*innen Ihres Aufrufs und ziehen Sie eine Zwischenbilanz des bisher Erreichten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Petition \u201eBildungsrat f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit\u201c (<a href=\"http:\/\/www.bildungsrat-fuer-bildungsgerechtigkeit.de\/\">http:\/\/www.bildungsrat-fuer-bildungsgerechtigkeit.de\/<\/a>) hat zwar \u00fcber 7.000 Unterst\u00fctzer*innen gewonnen, aber&nbsp;bei den Adressaten Bundesregierung und Kultusministerkonferenz&nbsp; keine ernsthafte Resonanz gefunden. Der geplante \u201eNationale Bildungsrat\u201c ist ja schon bald in der Versenkung verschwunden. Stattdessen hat die KMK eine \u201eSt\u00e4ndige wissenschaftliche Kommission\u201c beschlossen. Ihr sollen 16 Expert*innen angeh\u00f6ren, \u201e(\u2026) die \u00fcber exzellente Expertise im Bereich der deutschen und internationalen Bildungsforschung verf\u00fcgen\u201c. Aber Expert*innen-R\u00e4te gibt es ja nun schon seit Jahrzehnten. Was soll da Neues kommen? Und selbst die vorliegenden Empfehlungen spielen in der Politik nur eine begrenzte Rolle. Vor allem aber: Es geht doch nicht nur um Einsicht in die komplizierte Wirkungsweise unseres Bildungssystems, sondern auch um p\u00e4dagogische Haltungen und damit um Wertfragen: Wie sollen unsere Kinder und Jugendlichen heute aufwachsen? Und es geht um konkurrierende Interessen, konkret darum, wie Ressourcen verteilt werden sollen. \u00dcber solche normativen Fragen und finanziellen Priorit\u00e4ten sollen allein Wissenschaftler*innen entscheiden?<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Aber was w\u00e4re die Alternative?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen die Expertise der Praxis und wir brauchen einen repr\u00e4sentativen Blick auf den Bildungsalltag aus der Sicht der Betroffenen. Deshalb sind wir so dankbar, dass die \u201eMontag Stiftung Denkwerkstatt\u201c in Bonn eine Initiative gestartet hat f\u00fcr einen \u201eB\u00fcrgerrat Bildung und Lernen\u201c. Wer jetzt lamentiert \u201eWas soll denn noch so ein Gremium?\u201c, sollte zuerst einmal auf die Website&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.buergerrat-bildung-lernen.de\">www.buergerrat-bildung-lernen.de<\/a>&nbsp; gehen und sich das Konzept ansehen: kein Wissenschaftsclub, keine Verbandsvertreter-Versammlung, sondern durch Los bestimmte B\u00fcrger*innen, also ein Querschnitt der Bev\u00f6lkerung, werden eingeladen, dar\u00fcber zu beraten, wie sich unser Bildungssystem weiter entwickeln soll. Vorbereitet wird dieser B\u00fcrgerrat durch Online-Befragungen, \u00fcber die jede und jeder von uns seine Themen, Anregungen und Forderungen einbringen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dieser B\u00fcrgerrat letztlich bewirken kann, wei\u00df heute niemand. Aber Erfahrungen in anderen L\u00e4ndern, z. B. zu Themen wie \u201eStrafbarkeit von Abtreibung!\u201c und \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c in Irland oder zur Klimapolitik in Frankreich zeigen, dass B\u00fcrgerr\u00e4te \u00f6ffentlichen Druck und damit harte Begr\u00fcndungszw\u00e4nge f\u00fcr die Politik erzeugen k\u00f6nnen. Und wenn ein B\u00fcrgerrat \u201eBildung und Lernen\u201c \u00fcber die handfesten Lebenserfahrungen der Beteiligten neue Blicke auf den Bildungsalltag und seine Schw\u00e4chen er\u00f6ffnet, wird das der Bildungsdebatte auf jeden Fall gut tun.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3165\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Folie4-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Sie haben jetzt unter dem Titel \u201eBildung gegen Spaltung\u201c eine Streitschrift vorgelegt; was sind die Ziele und Perspektiven dieser Publikation aus Ihrer Sicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat kann man sich fragen: Ver\u00e4ndern B\u00fccher die Wirklichkeit? Aber nachdem unsere Petition bei den zust\u00e4ndigen politischen Instanzen keine Aktivit\u00e4ten ausgel\u00f6st hatte, f\u00fchlten wir uns zumindest gegen\u00fcber den Unterzeichner*innen verpflichtet zu konkretisieren, was jede und jeder von uns tun kann, um die Situation zu verbessern. Denn uns war wichtig, nicht den Schwarzen Peter irgendeinem anderen Rollentr\u00e4ger zuzuschieben, sondern deutlich zu machen, \u201ewas Politik und P\u00e4dagogik konkret tun k\u00f6nnen\u201c. Wir m\u00fcssen auf allen Ebenen parallel aktiv werden, und jede und jeder muss am eigenen Platz anfangen, aber sich eben auch Verb\u00fcndete im Umfeld suchen. Ich habe meinen Studierenden immer gesagt: Das eine ist, dass ihr versucht, gute Lehrer*innen zu sein. Aber das k\u00f6nnt ihr umso besser, je besser auch die Rahmenbedingungen sind. Darum seid ihr als B\u00fcrger*innen dieses Landes auch verpflichtet, euch mit eurem Wissen \u00fcber die Bedeutung guter Bildung politisch zu engagieren: in Gewerkschaften, Verb\u00e4nden und Parteien. <\/p>\n\n\n\n<p>Philosoph*innen k\u00f6nnen lange dar\u00fcber streiten, wann eine Gesellschaft \u201egerecht\u201c ist. Aber dass unser Bildungssystem ungerecht ist, das wird niemand bestreiten. Wenigstens die schlimmsten Ungerechtigkeiten anzugehen, das ist unsere Aufgabe. Und da sehe ich auch die gro\u00dfe Chance des \u201eB\u00fcrgerrats f\u00fcr Bildung und Lernen\u201c: Alle k\u00f6nnen mitmachen, alle k\u00f6nnen ihren Beitrag leisten. Anregungen zu bieten daf\u00fcr, was man schon heute, aber auch auf lange Sicht in vielen kleinen Schritten verbessern kann \u2013 das war und ist unser Ziel mit der Streitschrift.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:39% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"721\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-721x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3167\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-721x1024.jpg 721w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-768x1091.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-1082x1536.jpg 1082w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-1442x2048.jpg 1442w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020-106x150.jpg 106w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Cover_Bruegelmann-u.-a.-Bildung_gegen_Spaltung_Debus-Verlag_2020.jpg 1690w\" sizes=\"auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size\">Br\u00fcgelmann, Hans et al.: Bildung gegen Spaltung. Eine Streitschrift, Wochenschau-Verlag, Frankfurt am Main 2020.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber 30 Jahren besch\u00e4ftigt sich der Bremer Erziehungswissenschaftler und Reformp\u00e4dagoge Hans Br\u00fcgelmann mit Fragen der Grundschulp\u00e4dagogik und -didaktik. 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