{"id":2748,"date":"2020-09-08T10:56:18","date_gmt":"2020-09-08T08:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=2748"},"modified":"2020-09-08T11:52:18","modified_gmt":"2020-09-08T09:52:18","slug":"barbara-trottnow","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/das-hde-im-gespraech-mit\/barbara-trottnow\/","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch mit&#8230; Barbara Trottnow"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Filmemacherin Barbara Trottnow besch\u00e4ftigt sich in ihren Werken \u2013 darunter \u201eEmine aus Incesu\u201c,  \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c oder \u201eVisiting the Past \u2013 Von New York nach Essenheim\u201c \u2013 mit komplexen Themen wie Migration, Selbstbestimmtheit oder Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Wir sprechen mit ihr \u00fcber ihre Werke und die Notwendigkeit, besonders Frauen und deren Geschichten in den Fokus zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Interview: Dr. Cornelia Dold &amp; Janika Schiffel | September 2020<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-background has-very-light-gray-background-color is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:38% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2755\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_177-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><br><strong>Zur Person <\/strong><br>Barbara Trottnow ist Filmemacherin. Studiert hat sie Sozialwissenschaften an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen. Manche sagen, das merke man ihren Filmen an, sie recherchiert immer sehr gr\u00fcndlich und versucht, die gesellschaftlichen Dimensionen auch in vermeintlich kleinen Geschichten auszuloten. Das Filmemachen hat sie \u00fcberwiegend in der Praxis gelernt, aber auch w\u00e4hrend eines Volontariats beim Hessischen Rundfunk. Danach hat sie als Autorin mit einem Schwerpunkt auf bildungspolitischen Themen vor allem f\u00fcr das ZDF gearbeitet. Um nicht mehr in strikte Formatvorgaben gedr\u00e4ngt zu werden und freier arbeiten zu k\u00f6nnen, machte sie sich selbstst\u00e4ndig. So konnte und kann sie l\u00e4ngere Filme realisieren und so ihren Geschichten eine angemessene L\u00e4nge und Form geben. Heute ist Barbara Trottnow bei ihren Filmen nicht nur Autorin und Regisseurin, sondern auch f\u00fcr die Produktionsleitung verantwortlich. Alle Informationen \u00fcber Barbara Trottnow und ihre Werke finden sich auf ihrer <a href=\"https:\/\/www.bt-medienproduktion.de\/de\/index.html\">Homepage<\/a>.<br>(Foto: Alexander Sell)<br><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>   &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>In Ihren Werken \u2013 h\u00e4ufig Dokumentarfilme \u2013 besch\u00e4ftigen Sie sich mit vielf\u00e4ltigen Themen wie Migration, Integration oder auch Umweltschutz. Wie w\u00e4hlen Sie Ihre Schwerpunkte aus und an welchen Projekten arbeiten Sie momentan?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Thema Migration befasst. Oft ergibt sich dabei ein Film aus dem anderen. Meine Dokumentarfilme \u201eEmine aus Incesu\u201c und \u201eDeutsch aus Liebe\u201c widmen sich der Migration von der T\u00fcrkei nach Deutschland, in \u201eEduard Zuckmayer \u2013 Ein Musiker in der T\u00fcrkei\u201c beschreibe ich eine Migration in umgekehrter Richtung. Der \u00e4ltere Bruder von Carl Zuckmayer ging 1936 in die T\u00fcrkei, nachdem die Nazis ihm in Deutschland Berufsverbot erteilt hatten und blieb dort bis zu seinem Tod im Jahr 1972. Auch \u201eVisiting the Past \u2013 Von New York nach Essenheim\u201c ist f\u00fcr mich eine Migrationsgeschichte. In dem Film begleitete ich Joan Salomon bei einem Besuch in Essenheim \u2013 dem Ort, aus dem ihre j\u00fcdische Familie 1934 vertrieben wurde. Sie sucht in dem Weindorf nach ihren Wurzeln und kann sich vorstellen, dort zu leben. Migration ist ja kein einmaliger Vorgang in nur eine Richtung, sie kann sich umkehren, unfreiwillig erfolgen oder freiwillig, mit dem Wunsch nach R\u00fcckkehr oder Neubeginn. Migration kann bedeuten, die Heimat zu verlassen, aber auch in sie zur\u00fcckzukehren. Gerade in diesen Zeiten scheint es mir besonders wichtig, die damit verbundenen Probleme, aber auch Chancen immer wieder neu zu beleuchten und so voreiligen Urteilen entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mich interessieren auch andere Themen. Seit vielen Jahren beobachte ich in der T\u00fcrkei die Situation an einem Niststrand der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkr\u00f6ten. Natursch\u00fctzer*innen verhinderten zwar, dass dort eine Hotelanlage gebaut wurde, aber die Tourist*innen kommen trotzdem und wollen das \u201agerettete Paradies\u2018 sehen und genie\u00dfen. Die in diesem von der Corona-Pandemie gepr\u00e4gten Jahr verh\u00e4ngten Reisebeschr\u00e4nkungen haben dazu gef\u00fchrt, dass die Zahl der Schildkr\u00f6tennester am Strand so hoch ist wie noch nie! Aber die Menschen vor Ort leiden, weil sie inzwischen auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell arbeite ich an einer interaktiven Website, \u00fcber die mein Film zu Eduard Zuckmayer auf neue, hoffentlich spannende Art zug\u00e4nglich sein wird, und die auch auf die Zeit eingeht, bevor der Musiker in die T\u00fcrkei ging.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\nngg_shortcode_0_placeholder\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Auf ihrer diesj\u00e4hrigen Sommertour trafen Sie sich mit Ministerpr\u00e4sidentin Malu Dreyer im Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz. Warum w\u00e4hlten Sie gerade diesen Ort f\u00fcr Ihr Treffen aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise erwartet man, dass ein solches Treffen dort stattfindet, wo die Filme produziert werden, am Drehort oder im Postproduktionsstudio. Aber f\u00fcr mich ist auch von gro\u00dfer Bedeutung, wo meine Filme gezeigt werden, sie sollen ja ein m\u00f6glichst gro\u00dfes und vielf\u00e4ltiges Publikum finden. Das k\u00f6nnen Kinos sein, aber eben auch Orte wie das Haus des Erinnerns \u2013 f\u00fcr Demokratie und Akzeptanz. Mit seinem Anspruch, nicht nur ein Gedenkort zu sein, an dem wir zur\u00fcckschauen in die Vergangenheit, sondern auch ein Ort der Begegnung, an dem wir nach vorne schauen in die Zukunft, ist daf\u00fcr ideal geeignet. Und es wurden dort ja auch schon mehrfach Filme von mir gezeigt. Ganz wichtig bei meinem Vorschlag, das Treffen im HdE stattfinden zu lassen, war auch, dass dort Wert auf eine gute technische Ausstattung gelegt wird. So konnten wir der Ministerpr\u00e4sidentin in optimaler Bild- und Tonqualit\u00e4t und auf einer gro\u00dfen Leinwand einen Ausschnitt aus meinem Film \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c (nach einem Drehbuch von Anna Seghers) zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Filme heute online angeboten werden und fast \u00fcberall verf\u00fcgbar sind, auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Laptop, so macht es doch einen gro\u00dfen Unterschied, einen Film gemeinsam anzusehen, die Reaktionen der anderen Zuschauer*innen mitzuerleben und Eindr\u00fccke zu teilen. Wenn dann noch im Anschluss ein Gespr\u00e4ch, eine Diskussion m\u00f6glich ist, kann der Film die Anst\u00f6\u00dfe geben, die Denkprozesse ausl\u00f6sen, die ich mir als Filmemacherin w\u00fcnsche. Und so hoffe ich, dass die Ministerpr\u00e4sidentin und andere Politiker*innen auch in Zukunft sehen, wie wichtig Lernorte wie das HdE sind und wie bedeutsam es auch ist, dass sie technisch gut ausgestattet sind. Denn erst auf einer gro\u00dfen Leinwand mit guter Bild- und Tonqualit\u00e4t wird ein Film zu einem richtigen und lange nachwirkenden Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_170.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2754\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_170.jpeg 640w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_170-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200806bild_170-150x100.jpeg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Foto: Alexander Sell<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Bereits im M\u00e4rz 2020 stellten Sie Ihren Film \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c im Haus des Erinnerns vor. Im Film beleuchten Sie die Geschichte von Maria Einsmann, die in Mainz jahrelang unerkannt als Mann \u201egetarnt\u201c in M\u00e4nnerkleidung arbeitete. Auch die Benennung eines Platzes in der Mainzer Innenstadt in \u201eMaria-Einsmann-Platz\u201c r\u00fcckte ihre Geschichte in die breite \u00d6ffentlichkeit Warum war es f\u00fcr Sie wichtig, gerade diese Geschichte zu erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich sehr gefreut, dass das Frauenb\u00fcro der Stadt Mainz diesen Film am 8. M\u00e4rz, als Beitrag zum Internationalen Frauentag im HdE gezeigt hat. Ich habe ihn vor 25 Jahren realisiert. Damals war ich auf ein Drehbuch von Anna Seghers aufmerksam geworden, in dem es um eine berufst\u00e4tige Frau in M\u00e4nnerkleidern geht. Die Idee daf\u00fcr lieferte der Schriftstellerin eine wahre Geschichte aus Mainz, ihrer Geburtsstadt. Als dort 1931 herauskam, dass Maria Einsmann zw\u00f6lf Jahre lang als Mann gearbeitet hat, setzte ein gro\u00dfer Medienrummel ein, und Anna Seghers hat in ihrem Pariser Exil einen der Zeitungsartikel gelesen. F\u00fcr meinen Film \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c habe ich seinerzeit Spielszenen aus dem Drehbuch mit dokumentarischen Anmerkungen verkn\u00fcpft, um zu zeigen, wie schwer es f\u00fcr Frauen sein kann, Arbeit zu finden. Das galt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Anna Seghers, die im Pariser Exil den Lebensunterhalt f\u00fcr ihre zwei kleinen Kinder verdienen musste. Aber schon damals faszinierte mich die \u201aechte\u2018 Geschichte der Maria Einsmann ganz besonders. Zw\u00f6lf Jahre lang war niemandem aufgefallen, dass der f\u00fcrsorgliche Familienvater Joseph Einsmann eine Frau war und eigentlich Maria hie\u00df. In meinem neuen Film werde ich ihre ungew\u00f6hnliche Lebensgeschichte nun rein dokumentarisch erz\u00e4hlen. Bei der Trennung von ihrem Mann nahm Maria Einsmann seinen von ihr bezahlten Anzug mit, entdeckte darin seine Papiere und lebte von da an mit seiner Identit\u00e4t. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sie ihre Arbeit in einer Munitionsfabrik verloren und war daraufhin mit ihrer Freundin Helene M\u00fcller nach Mainz gegangen. Dort gaben die beiden Frauen sich als Ehepaar aus und Maria Einsmann fand als Joseph eine gut bezahlte Stelle. Nach der Enttarnung wurde den beiden Frauen der Prozess gemacht, aber auch viel Hochachtung entgegengebracht. Der Film wird erneut fragen, 25 Jahre nach dem Dreh zu \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c, wie weit m\u00fcssen Frauen gehen, um Arbeit zu finden? Warum werden Frauen noch immer schlechter bezahlt als M\u00e4nner? Aber auch, was m\u00fcssen Frauen tun, um ein eigenst\u00e4ndiges Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2768\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Frauen.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Frauen spielen in Ihren Filmen h\u00e4ufig eine herausragende Rolle. Was brachte Sie dazu, gerade Frauen in den Fokus Ihrer Filme zu stellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das stimmt, Frauen kommen in meinen Filmen immer an herausgehobener Stelle vor. Vielleicht f\u00e4llt das so auf, weil es sonst oft nicht so ist. Denn nicht nur hinter der Kamera gibt es viel weniger Frauen als M\u00e4nner, sei es als Regisseurin oder als Kamerafrau, \u00fcbrigens auch beim Dokumentarfilm, vor allem wenn gro\u00dfe Etats vorhanden sind. Auch vor der Kamera spielen Frauen oft nur Nebenrollen, sind sie nicht diejenigen, die die Handlung bestimmen und viel zu sagen haben, und auch das nicht nur im Spielfilm. Das liegt nicht zuletzt daran, dass M\u00e4nner fast \u00fcberall die wichtigeren und sichtbareren Posten besetzen und daher als Experten mehr gefragt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind es gerade Frauen, die ungew\u00f6hnliche Geschichten zu erz\u00e4hlen haben. Aber sie werden schnell \u00fcbersehen, weil sie sich nicht in den Vordergrund spielen und in die Medien dr\u00e4ngen. Ein Bespiel ist \u201eEmine aus Incesu\u201c, \u00fcber Emine habe ich einen 60<ins>&#8211;<\/ins>min\u00fctigen Dokumentarfilm gemacht. Als 18-j\u00e4hrige kam sie 1966 allein aus der T\u00fcrkei nach Deutschland, zum Arbeiten. Es ist wenig bekannt, dass 20 Prozent der sogenannten Gastarbeiter aus der T\u00fcrkei Frauen waren. Emine hat mir ihre Lebensgeschichte anvertraut, da war sie fast 60 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder die alten Damen in meinem Film \u201eVisiting the Past \u2013 Von New York nach Essenheim\u201c, die die New Yorker J\u00fcdin zum Kaffee einladen, in dem Ort, aus dem ihre j\u00fcdische Familie 1934 vertrieben wurde. W\u00e4ren M\u00e4nner in der Runde dabei gewesen, h\u00e4tten sie sie schon allein mit ihren lauteren Stimmen \u00fcbert\u00f6nt, und die Frauen sich vermutlich nicht getraut, sich vorsichtig an das zu erinnern, was damals geschehen ist. Aber in dem Fall war die Damenrunde nicht schwer durchzusetzen, da die M\u00e4nner bereits verstorben waren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2769\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bildtext_Zeitzeuginnen.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>In Ihrem Werk \u201eVisiting the Past \u2013 Von New York nach Essenheim\u201c begleiten Sie Joan Salomon aus New York bei einem Besuch im rheinhessischen Essenheim, das ihre Familie 1934 aufgrund der antisemitischen Anfeindungen verlassen musste. Wie kam dieses Projekt zustande und welche Reaktionen gab es darauf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte ist sozusagen zu mir gekommen. Ich habe nicht danach gesucht. Da ich lange Zeit in Essenheim gelebt habe, wussten dort viele, dass ich Filme mache. Und eine der alten Essenheimerinnen, die auch im Film dabei ist, meinte, dass der Besuch von Joan Salomon ein Thema f\u00fcr mich sein k\u00f6nnte. Damit hatte sie ja auch Recht. Es ist immer gut, wenn einem die Geschichten begegnen, man von ihnen \u00fcberrascht ist. Denn anfangs konnte ich nicht glauben, dass es meiner New Yorker Protagonistin in dem rheinhessischen Dorf tats\u00e4chlich gef\u00e4llt. Wie kann sie den Ort, aus dem ihre Familie vertrieben wurde, m\u00f6gen? Im Laufe der Dreharbeiten habe ich es dann verstanden und es ist mir offenbar auch gelungen, es im Film zu vermitteln. Eine solche \u201aStory\u2018 kann man nicht vom Schreibtisch aus oder am Computer finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich, wie gut der Film angenommen wird, auf wie vielen Veranstaltungen, in wie vielen Kinos er schon gezeigt wurde. Den Schulen steht er online zur Verf\u00fcgung und auch das HdE hat Kopien, sodass der Film dort jederzeit angeschaut werden kann und anschlie\u00dfend hoffentlich dar\u00fcber diskutiert wird. Solche Filme sind auch deshalb wichtig, weil es ja nicht mehr so viele Zeitzeug*innen gibt, die befragt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Gibt es ein \u201eWunschprojekt\u201c, das Sie unbedingt in Zukunft einmal umsetzen m\u00f6chten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde gern noch einmal einen Stoff von Anna Seghers aufgreifen. Es w\u00fcrde mich sehr reizen, Szenen aus \u201eDas Siebte Kreuz\u201c an Originalschaupl\u00e4tzen in Rheinhessen zu verfilmen und in Bezug zu setzen zu realen Begebenheiten, wie ich es in meinem Film \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c gemacht habe. Aber leider besteht keine Chance, die Rechte an dem Stoff zu erwerben. Ich habe es mehrfach vergeblich versucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich m\u00f6chte endlich meine Langzeitbeobachtung \u00fcber den Iztuzu Strand in der T\u00fcrkei beenden und aufzeigen, wie der Tourismus das Leben der Einheimischen ver\u00e4ndert hat. Aber es gab in den letzten Jahren immer wieder Hindernisse dorthin zu reisen, aktuell kann ich wegen der Corona-Pandemie dort nicht drehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Filmemacherin Barbara Trottnow besch\u00e4ftigt sich in ihren Werken \u2013 darunter \u201eEmine aus Incesu\u201c, \u201eKatharina oder: Die Kunst Arbeit zu finden\u201c oder \u201eVisiting the Past \u2013 Von New York nach Essenheim\u201c \u2013 mit komplexen Themen wie Migration, Selbstbestimmtheit oder Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Wir sprechen mit ihr \u00fcber ihre Werke und die Notwendigkeit,&#8230;<\/p>\n<p> <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/projekte-ausstellungen\/projekte\/das-hde-im-gespraech-mit\/barbara-trottnow\/\"><span>Weiterlesen<\/span><i class=\"crycon-right-dir\"><\/i><\/a> <\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":1840,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"episode_type":"","audio_file":"","podmotor_file_id":"","podmotor_episode_id":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","filesize_raw":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","ngg_post_thumbnail":0,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":"","_tec_slr_enabled":"","_tec_slr_layout":""},"class_list":["post-2748","page","type-page","status-publish","hentry"],"ticketed":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2748"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3080,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2748\/revisions\/3080"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1840"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}