{"id":1612,"date":"2020-04-24T15:31:15","date_gmt":"2020-04-24T13:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/?page_id=1612"},"modified":"2022-05-05T11:55:59","modified_gmt":"2022-05-05T09:55:59","slug":"philipp-jakob-siebenpfeiffer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/index.php\/unser-haus\/glaspavillon-streiter-fuer-demokratie\/philipp-jakob-siebenpfeiffer\/","title":{"rendered":"Philipp Jakob Siebenpfeiffer"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:39% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"551\" height=\"750\" src=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/02-Siebenpfeiffer-igl-demokr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1613 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/02-Siebenpfeiffer-igl-demokr.jpg 551w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/02-Siebenpfeiffer-igl-demokr-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.haus-des-erinnerns-mainz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/02-Siebenpfeiffer-igl-demokr-110x150.jpg 110w\" sizes=\"auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>12. November 1789\u201314. Mai 1845<br><br>Jurist, Journalist, Mitorganisator und Hauptredner auf dem Hambacher Fest <\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gem\u00e4lde von Helmut Collmann<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p>Bereits in jungen Jahren wurde Philipp Jakob Siebenpfeiffer zur Vollwaise. Er wuchs bei seiner Tante auf und seine Schulausbildung wurde von einem Onkel finanziert. Ab 1804 besuchte er das P\u00e4dagogium in Lahr, wo seine sprachliche Begabung insbesondere im Lateinischen und Franz\u00f6sischen zu Tage trat. Ebenso talentiert zeigte er sich im Bereich der Rechtswissenschaften; hier promovierte er 1813. In den folgenden Jahren arbeitete er f\u00fcr verschiedene administrative staatliche Stellen im damals noch in viele Nationalstaaten unterteilten Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufgrund eines Artikels, den er in seiner eigenen seit 1830 erscheinenden Zeitschrift <em>Rheinbayern <\/em>ver\u00f6ffentlichte und in dem er sich f\u00fcr grundlegende demokratische Werte wie Pressefreiheit, staatliche Gewaltenteilung und Gleichheit vor dem Gesetzt aussprach, war abzusehen, dass nicht nur seine berufliche Laufbahn im Staatsdienst gef\u00e4hrdet war.<\/strong><br>In der Beamtenhierarchie bereits wegen seiner politischen Schriften degradiert, wurde er infolge des Hambacher Festes von 1832 verhaftet. Siebenpfeiffer war einer der Mitorganisatoren dieses Festes und trat dort als Hauptredner auf. Das Hambacher Fest war mit 20.000 bis 30.000 Teilnehmer*innen die bis dahin gr\u00f6\u00dfte politische Versammlung in Deutschland, auf der liberale, nationale und demokratische Forderungen laut wurden. <br>Aufgrund dieser Beteiligung wurde er nach seiner Inhaftierung angeklagt und im November des Jahres 1833 vom Zuchtpolizeigericht in Frankenthal zu zwei Jahren Haft verurteilt, nachdem ihn zun\u00e4chst im August 1833 das Assisengericht in Landau gegen den Vorwurf der Anstiftung zum Umsturz freigesprochen hatte. Mit der Hilfe von Freunden gelang ihm am 14. November 1833 die Flucht \u00fcber das Elsass in die Schweiz. Hier gew\u00e4hrte man ihm nicht nur Asyl, sondern er erhielt auch eine Anstellung an der  Berner Universit\u00e4t. Dort dozierte er als au\u00dferordentlicher Professor \u00fcber Straf- und Staatsrecht. Nachdem sich ab 1841 Anzeichen einer Geisteskrankheit bei ihm bemerkbar machten und er in die Heil- und Pflegeanstalt B\u00fcmpliz eingewiesen werden musste, verstarb er dort im Jahr 1845 im Alter von 55 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Siebenpfeiffer ist bis heute eines der zentralen Gesichter des Hambacher Festes und somit Sinnbild f\u00fcr den b\u00fcrgerlichen Kampf f\u00fcr nationale Einheit, Freiheit und Volkssouver\u00e4nit\u00e4t.<\/strong> Eines seiner bekannten Zitate stammt aus seiner Rede auf dem Hambacher Fest: <br><em>\u201eIch halte die Repr\u00e4sentativ-Republik f\u00fcr die einzige Staatsform, die einem gr\u00f6\u00dferen Volk, das seine W\u00fcrde f\u00fchlt, geziemt, f\u00fcr die einzige, die heute m\u00f6glich. [\u2026] Ich will, dass keine Partei die andere, nicht die Minderzahl die Mehrzahl, nicht einmal die Mehrheit die Minderzahl unterdr\u00fccke; ich will, dass die Gesamtheit herrsche.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-background wp-block-heading\" style=\"background-color:#aec2d4\">Vorm\u00e4rz<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#aec2d4\">\u201eEinigkeit und Recht und Freiheit f\u00fcr das deutsche Vaterland\u201c. Das waren die Ziele der Bewegung des Vorm\u00e4rzes. Diese Epoche der deutschen Geschichte erstreckte sich von der Befreiung Europas nach der napoleonischen Herrschaft 1815 bis zur M\u00e4rzrevolution 1848. Zu dieser Zeit existierte Deutschland noch nicht als eigenes Land, sondern nur als loser Staatenbund (\u201edeutscher Bund\u201c) unter der F\u00fchrung \u00d6sterreichs. Dieser Bund, der auf dem Wiener Kongress 1815 gegr\u00fcndet wurde, hatte jedoch au\u00dfer der Bundesversammlung, die aus Gesandten der 35 souver\u00e4nen Mitglieder bestand, keine Organe oder Institutionen. Viele Deutsche waren jedoch entt\u00e4uscht, da nach dem gemeinsamen Sieg der deutschen Staaten gegen Napoleon eine patriotische Stimmung in Teilen der Gesellschaft herrschte, die ein vereintes Deutschland anstrebten. Au\u00dferdem gab es viele liberale Stimmen, die sich einen demokratischen Staat mit gleichen Rechten f\u00fcr alle B\u00fcrger w\u00fcnschten.<br><br>Besonders bekannt f\u00fcr diese Bewegung sind zwei Feste, die vor allem von deutschen Studenten veranstaltet wurden. Zum einen wurde am 18. Oktober 1817 das Wartburgfest gefeiert. Dies war am 4. Jahrestag der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig, in der deutsche Soldaten verschiedener Staaten, die erst f\u00fcr Napoleon gegen andere Deutsche k\u00e4mpften, zu ihren deutschen Br\u00fcdern \u00fcberliefen, um gemeinsam gegen die franz\u00f6sischen Besetzer zu k\u00e4mpfen. Diese Schlacht gilt als wichtiges Ereignis des deutschen Gr\u00fcndungsmythos. Auf dem Fest wurden B\u00fccher und Symbole der konservativen Regime verbrannt. Als Reaktion auf die Proteste folgten 1819 die \u201eKarlsbader Beschl\u00fcsse\u201c, die ein Mittel zur Einschr\u00e4nkung der liberalen Ideen sein sollten. Nun wurden Universit\u00e4ten \u00fcberwacht und Lehrkr\u00e4fte entlassen. Das traf die Bewegung, da sie vor allem in den Universit\u00e4ten, sowie Vereinen und Landtagen stattfand. Aufhalten konnten die Beschl\u00fcsse die Bewegung jedoch nicht.<br><br>Das zweite gro\u00dfe Fest des Vorm\u00e4rzes war das Hambacher Fest 1832. W\u00e4hrend beim Wartburgfest nur ca. 500 Menschen anwesend waren, gab es in Hambach bis zu 30.000 Feiernde. Wie der Name schon sagt, fand das Fest auf der Hambacher Schlossruine statt. Zu dem Fest aufgerufen wurde unter anderem von Phillip Jakob Siebenpfeiffer (1789\u20131845), der einen Presseverein gegr\u00fcndet hatte und viele Einladungen drucken konnte. Besonders zu erw\u00e4hnen ist, dass nicht nur M\u00e4nner eingeladen waren, sondern auch Frauen aufgerufen wurden teilzunehmen. Die Teilnehmer*innen kamen vor allem aus der Region um Hambach, also der Pfalz. Es gab aber auch einige Besucher*innen, die aus Kiel, Flensburg oder M\u00fcnchen anreisten. Auf dem Fest waren bei Flaggen auch die heutigen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold zu sehen und es wurden Reden \u00fcber den Traum eines vereinten freien Deutschlands gehalten. Einer der Redner war Siebenpfeiffer selbst. Das Hambacher Fest war also die gr\u00f6\u00dfte Veranstaltung, bei der demokratische Forderungen von einer breiten \u00d6ffentlichkeit gefordert wurden. Als Reaktion auf das Hambacher Fest wurden die Zensuren weiter versch\u00e4rft und die Organisatoren, darunter auch Siebenpfeiffer, verhaftet. Heute gilt das Hambacher Fest als \u201eWiege der deutschen Demokratie\u201c.<br><br>Wichtig ist jedoch anzumerken, dass die Bewegung des Vorm\u00e4rzes vor allem in universit\u00e4ren Kreisen stattfand und nicht von der breiten Bev\u00f6lkerung mitgetragen wurde. Diese n\u00e4mlich interessierte sich in einer wirtschaftlich schweren Zeit statt f\u00fcr Politik eher daf\u00fcr, wie der t\u00e4gliche Lebensunterhalt gesichert werden konnte. Die Epoche des Vorm\u00e4rzes endete schlie\u00dflich 1848 mit der M\u00e4rzrevolution, die auf b\u00fcrgerlicher Seite weiterhin nach franz\u00f6sischem Vorbild nach \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u201c strebte und auf b\u00e4uerlicher und handwerklicher Seite um Agrarreformen und gewerblichen Schutz k\u00e4mpfte.<\/p>\n\n\n\n<br>\n\n\n\n<p><br><strong>Literaturhinweise<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Blume, Doris: V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/rueckblick\/voelkerschlacht-bei-leipzig.html\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/rueckblick\/voelkerschlacht-bei-leipzig.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789\u20131845), URL: &lt;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/static.demokratiegeschichte.eu\/index.php%3Fid=169.html\" target=\"_blank\">https:\/\/www.demokratiegeschichte.eu\/index.php?id=169<\/a>&gt; [aufgerufen am 15.04.2020].<\/p>\n\n\n\n<p>Institut f\u00fcr Geschichtliche Landeskunde an der Universit\u00e4t Mainz e.V.: Hambacher Fest, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/static.demokratiegeschichte.eu\/index.php%3Fid=10.html\">https:\/\/static.demokratiegeschichte.eu\/index.php%3Fid=10.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 11.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Leonhard, J\u00f6rn: Carl von Rotteck &#8211; Vorm\u00e4rz und Liberalismus, in: Krieg, Heinz; Regnath, R. Johanna; Schwendemann, Heinrich; Widmann, Hans-Peter; Zumbrink, Stephanie: Auf Jahr und Tag &#8211; Leben in Freiburg in der Neuzeit, Freiburg 2019, S. 77-99.<\/p>\n\n\n\n<p>Scriba, Arnulf: Das Wartburgfest 1817, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund\/wartburgfest-1817.html\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund\/wartburgfest-1817.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Scriba, Arnulf: Der Deutsche Bund, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund.html\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Scriba, Arnulf: Deutscher Bund und \u201enationale Frage\u201c, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/reaktionszeit\/deutscher-bund-und-nationale-frage.html\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/reaktionszeit\/deutscher-bund-und-nationale-frage.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Scriba, Arnulf: Die Karlsbader Beschl\u00fcsse 1819, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund\/karlsbader-beschluesse-1819.html\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/der-deutsche-bund\/karlsbader-beschluesse-1819.html<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Scriba, Arnulf: Vorm\u00e4rz und Revolution 1815-1849, in: Lebendiges Museum Online, &lt;URL: <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/\">https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/vormaerz-und-revolution\/<\/a> &gt; [aufgerufen am 03.03.2022].<\/p>\n\n\n\n<p>Walcher, Bernhard: Siebenpfeiffer, Philipp Jakob, in: K\u00fchlmann, Wilhelm (Hrsg.): Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes Si-Vi Band 11, De Gruyter.Berlin\/ New York 2011.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziegler, Hannes: Das Hambacher Fest \u2013 27. Mai 1832, in: Bl\u00e4tter zum Land Rheinland-Pfalz, Hrsg. v. Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz 2007.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. November 1789\u201314. Mai 1845 Jurist, Journalist, Mitorganisator und Hauptredner auf dem Hambacher Fest Gem\u00e4lde von Helmut Collmann Bereits in jungen Jahren wurde Philipp Jakob Siebenpfeiffer zur Vollwaise. Er wuchs bei seiner Tante auf und seine Schulausbildung wurde von einem Onkel finanziert. 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